ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008Contergan: Wer hat hier geschlafen?
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Experimentelle, präklinische Ergebnisse an Nagern, die auch in Höchstdosierungen nach i.p.-Gabe von Thalidomid nicht zur Induktion des Schlafs in den Tieren führten, hätten den Entwicklern bei der Firma Grünenthal und der Arzneimittelaufsicht in der BRD Anlass zur Sorge geben müssen. Wer hat hier geschlafen? Diese grobe Fehlinterpretation oder auch Missachtung von Ergebnissen aus Tierversuchen, die in der BRD nie beleuchtet worden ist, kann auch nicht mit nachträglicher „solider Statistik“ den gewünschten Effekt herbeizaubern. In den USA, wo Grünenthal massiven Druck auf die Zulassungsbehörde ausgeübt hatte wegen der Anmeldung von Thalidomid, hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA eine ausgeschlafene, junge Ärztin mit der Beurteilung der Zulassungsunterlagen beauftragt, die mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet war. Ein als Schlafmittel deklariertes Mittel, das in Nagern keinen Schlaf erzeugt, sollte nach dem Willen der mutigen Ärztin nicht einfach der amerikanischen Bevölkerung angeboten werden. Damit ist den Patienten in den USA die deutsche Katastrophe erspart geblieben.
Otto Zierer, Sedanstraße 14, 81667 München
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