ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008Contergan: Allein auf Umsatz und Gewinn ausgerichtet
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Der oben genannte Artikel von Thomann stellt die Fakten zur Fehlbildungskatastrophe richtig dar, von der Deutschland und auch das Vereinigte Königreich betroffen waren; zu ergänzen ist, dass Contergan am 31. und 32. Tag einer Schwangerschaft post conceptionem zu den Fehlbildungen infolge einer Neuropathie an der aussprossenden Arm- und Beinknospe des Feten führen kann, nicht aber in jedem Fall muss. Unerwähnt in dem Artikel bleibt jedoch, dass Contergan auch bei älteren Menschen, die dieses etwa wegen Schlafstörungen einnahmen, zu schweren Polyneuropathien führte. Als damaliger Assistent der neurologischen Universitätsklinik Würzburg wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Vertreter der Herstellerfirma bei älteren, bettlägerigen Patient(inn)en, die das Mittel einnahmen, herumging und ihnen zwischen 10 000 und 20 000 DM anbot für eine Verzichterklärung auf jede Regressforderung durch eine Medikamentennebenwirkung. Auf meine Intervention hin beim Klinikdirektor, Herrn Prof. Dr. G. Schaltenbrand, erhielt dieser Firmenvertreter Hausverbot. Auch dieser Vorgang beweist, dass die Politik der Herstellerfirma, ohne jede Rücksicht auf die ihr bekannten Nebenwirkungen, allein auf Verkauf, also Umsatz und Gewinn, ausgerichtet war. Auf die berechtigte, moralische Forderung an eine Firma, Nebenwirkungen ihres Produkts zu erkennen und zu vermeiden, wurde zu diesem Zeitpunkt keinerlei Rücksicht genommen. Im Strafverfahren gegen die Firma Grünenthal stellte der Frankfurter Neuropathologe, Prof. Dr. Werner Krücke, in Tierversuchen einwandfrei fest, dass Thalidomid zu einer Neuropathie der periphersten gemischten, also motorischen und sensiblen Nerven beim Kaninchenfeten führt und damit für die Nebenwirkungen, also die gesamte Contergan-Katastrophe, verantwortlich ist.
Prof. Dr. med. Gert Jacobi, Blücherstraße 9,
63739 Aschaffenburg/Main
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