ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008Indapamid/Perindopril: Vorteile für Diabetiker auch ohne Hypertonie

PHARMA

Indapamid/Perindopril: Vorteile für Diabetiker auch ohne Hypertonie

Dtsch Arztebl 2008; 105(3): A-105

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Typ-II-Diabetiker profitieren von einer Behandlung mit einer Fixkombination aus den Wirkstoffen Indapamid und Perindopril – und zwar unabhängig von der Höhe ihres Ausgangsblutdrucks oder der Einnahme anderer Arzneimittel (einschließlich Antihypertensiva).
Nach den Ergebnissen der ADVANCE*-Studie, die bei dem europäischen Kardiologenkongress in Wien viel Aufsehen erregte, wurde die Gesamtrate aller makro- und mikrovaskulären Ereignisse im Verlauf der etwa vierjährigen Behandlung mit der Fixkombination aus
Diuretikum und ACE-Hemmer (Preterax®, Servier) signifikant um neun Prozent im Vergleich zu Placebo reduziert (Inzidenz: 15,5 versus 16,8 Prozent). Grundlage dafür war eine um 5,6/2,2 mmHg stärkere Blutdrucksenkung in der Verum-Gruppe.
Manifestiert sich bei Diabetikern eine Hypertonie, verdoppelt sich ihr statistisches Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Gefäßerkrankungen. Damit ist Bluthochdruck die Hauptursache für Mortalität bei Typ-II-Diabetikern – was die strengeren Zielblutdruckwerte (unter 130/80 mmHg) für komorbide Patienten erklärt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass eine Blutdrucksenkung bei hypertonen Diabetikern zu einer wesentlichen Reduktion von schweren vaskulären Ereignissen führt. So hat die viel zitierte UKPDS**-Studie gezeigt, dass eine Senkung des mittleren systolischen Blutdrucks um je 10 mmHg mit einer zwölfprozentigen Risikoreduktion von diabetesbezogenen Komplikationen assoziiert ist.
Die ADVANCE-Studie sollte nun feststellen, ob eine intensivierte Blutdruckkontrolle mit der Kombination aus Perindopril und Indapamid makrovaskuläre (nicht tödlicher Schlaganfall, nicht tödlicher Myokardinfarkt oder kardiovaskulärer Tod) und mikrovaskuläre (Auftreten oder Verschlechterung einer Nephropathie, mikrovaskuläre Retinopathie) Ereignisse bei Typ-II-Diabetikern mit oder ohne Hypertonie reduziert. Und: Sind diese Vorteile zusätzlich zu denen einer hintergründigen blutdrucksenkenden Therapie zu sehen?
Wie einer der Studienleiter, Prof. Stephen MacMahon (George Institute für internationale Gesundheit, Sydney), bei der „Hot-line-Session“ in Wien berichtete, haben 11 140 Typ-II-Diabetiker aus 20 Ländern an der bislang umfangreichsten Studie zur Behandlung des Diabetes mellitus teilgenommen. Während der im Durchschnitt 4,3 Jahre langen Therapie war es den Patienten erlaubt (mit Ausnahme von ACE-Hemmern und Diuretika), ihre bisher verordneten kardiovaskulären Medikamente weiter einzunehmen.
„Die zusätzliche Einnahme der fixen Kombination von Perindopril und Indapamid reduzierte jedoch das generelle Todesfallrisiko um
14 Prozent und das Todesfallrisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 18 Prozent. Das Risiko der koronaren Herzkrankheit wurde um 14 Prozent reduziert und das Risiko von neuen oder sich verschlimmernden Nierenerkrankungen um 21 Prozent“, erläuterte Dr. Anushka Patel (Sydney).
Nach Ansicht von MacMahon repräsentieren diese Ergebnisse einen wichtigen Schritt in die Zukunft für die medizinische Versorgung von Menschen mit Diabetes weltweit: „Diese Behandlung reduzierte die Wahrscheinlichkeit, an den Komplikationen von Diabetes zu sterben um fast ein Fünftel, und das bei nahezu keinen Nebenwirkungen.“
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

*ADVANCE = Action in Diabetes and Vascular Disease: preterAx and DiamicroN MR Controlled Evaluation
**UKPDS = United Kingdom Prospective Diabetes Study
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