ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2008Börsebius: Alle Jahre wieder

GELDANLAGE

Börsebius: Alle Jahre wieder

Dtsch Arztebl 2008; 105(3): A-107 / B-95 / C-95

Rombach, Reinhold

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LNSLNS So prasseln sie alle Jahre wieder über uns herein, die Prognosen, wie denn die Börsen heuer so laufen werden. Wir lauschen staunend dem Expertenmund und lesen von den Auguren, Börsenprofis, den Berufenen wie auch den irrwitzigsten Selbstdarstellern deren Sicht der Dinge, bass ergriffen, aber am Ende doch völlig verwirrt, zu unterschiedlich scheinen die Standpunkte. Wem also glauben, wem misstrauen?
Der verwirrte arme Geist flüchtet sich bestenfalls in die Gefilde der renommierten Wirtschaftspresse und verfällt dem Ruf der Masse, was alle anderen denken und tun, kann ja so falsch nicht sein. Wie ein Geschenk des Himmels mag demnach eine aktuelle Exklusivumfrage des „Handelsblatts“ wirken, dort fand nämlich die größte regelmäßige Anlegerumfrage zu den Börsenaussichten des Jahres 2008 statt. Gut, dass unter den knapp tausend Befragten sowohl private als auch institutionelle Anleger waren, das ergibt dann eine prima Mischung des versammelten Fachwissens.
Die interessanteste Aussage der Studie ist, dass private und professionelle Investoren für den deutschen Aktienindex DAX deutlich pessimistischer eingestellt sind als die Berufsgruppe der Aktienanalysten. Deren Einschätzung (im Mittel 8 567 Punkte für den DAX bis Ende 2008) hatte das „Handelsblatt“ jüngst auch erfragt und veröffentlicht.
Jetzt sind wir also genau so schlau wie vorher, nur auf höherem Niveau. Was bleibt, ist die irrationale Befindlichkeit, nicht auf Prognosen verzichten zu wollen, seien sie noch so fundiert – oder eben auch nicht. Früher ließen sich Kriegsherren und Staatsmänner den Lauf der Gestirne von Magiern und Hohepriestern deuten und handelten danach, mit oft fatalem Ausgang, wie wir wissen, und heute wird diese tief in uns steckende Sehnsucht nach Weisheit eben von den Börsengurus und Analysten bedient. Mit oft ebenso fatalem Ausgang.
Das Problem ist freilich auch, dass Prognosen zutreffen können – oder eben nicht. So hat mich denn gerade eben, die E-Mail ist taufrisch, der gute Bankdirektor Jörg Laser, Leiter Private Banking der Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank AG, darauf hingewiesen, dass seine vor einem Jahr gegebene Einschätzung eines DAX-Standes von 8 000 Punkten eingetreten sei.
Respekt, Herr Laser, echt und ehrlich. Natürlich haben alle die anderen, deren Prognosen nicht eingetroffen sind, sich nicht bei mir gemeldet. Gleichwohl will ich Ihnen die aktuelle Prognose von Jörg Laser für das kommende Jahr nicht vorenthalten. Seiner Meinung nach ist der US-Aktienmarkt für 2008 Favorit, plus 20 Prozent seien drin, aber auch der DAX sollte bis zum Jahresultimo 9 000 Punkte packen, vor allem wegen der vorgezogenen Käufe durch die Abgeltungssteuer. Auf die E-Mail in einem Jahr bin ich schon gespannt.
„In der Überzeugung, dass die fundamentale Verfassung des Landes gesund ist . . . haben mein Sohn und ich in den letzten Tagen Aktien gekauft.“ Sagte John D. Rockefeller wenige Tage vor dem furchtbarsten Börsenkrach der Geschichte im Oktober 1992. Der Mann hatte vermutlich nur die allerbesten Berater.
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