ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1997Sorgfaltspflicht: Erstsymptom

SPEKTRUM: Leserbriefe

Sorgfaltspflicht: Erstsymptom

Solga, Matthias

Zu dem Beitrag "Ein Tatsachenbericht" von Dr. med. Doris Witte in Heft 9/1997
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LNSLNS . . . Bereits in der Propädeutik habe ich gelernt, daß jede Erkrankung ihre Zeit braucht, um offensichtlich zu werden. Die ärztliche Kunst offenbart sich nicht im Spätstadium, hier kann jeder debile Laie urteilen. Ein frühes Stadium zu erkennen allerdings ist hohe Kunst. Jeder chirurgisch tätige Kollege kennt die hochakute Appendizitis, die sich bereits vor Wochen mit Übelkeit angekündigt hat. Wenn nun die Chirurgen jeden solchen Fall aufgriffen und behaupteten, der Allgemeinmediziner hätte vor zwei Wochen das drohende Krankheitsbild erkennen müssen, wäre der hochzuachtende Berufsstand der Allgemeinmediziner durch Haftpflichtprozesse von der Bildoberfläche verschwunden, denn schließlich ist ja allgemein bekannt, daß Übelkeit ein Erstsymptom zwar auch der Appendizitis, aber eben auch von Hunderten anderer Erkrankungen ist.
Wie, wenn nun ein Kollege wenige Wochen zuvor die Patientin korrekt untersucht hätte, das Krankheitsbild aber objektiv noch nicht zu erkennen gewesen wäre? Wo bleibt da die zeigefingernde Argumentation der Kollegin? . . .
Dr. med. Matthias Solga, Kastanienallee 22, 12627 Berlin
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