ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Embryonen aus Hautzell-DNA geklont

AKTUELL: Akut

Embryonen aus Hautzell-DNA geklont

Dtsch Arztebl 2008; 105(4): A-128 / B-116 / C-116

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Kalifornische Forscher der privaten Stammzellfirma Stemagen haben erstmals menschliche Embryonen aus Fibroblasten der Haut geklont. Dem Bericht zufolge (2008; doi:10.1634/stem cells.2007–0252) gelang es dem Team um Andrew French, im Reagenzglas drei geklonte Embryonen bis zum Blastozystenstadium zu entwickeln. Die Versuche seien schon im Frühjahr 2007 durchgeführt worden, so Stemagen-Chef Samuel Wood, weil man vor einer Veröffentlichung die genetische Identität der Embryonen mittels DNA-Tests prüfen wollte. Dies habe mehrere Monate gedauert.
Grundlage des Klonens ist der somatische Zell-Nukleus-Transfer (SCNT), also die „traditionelle“ Klonierungstechnik, mit der als Erstes das Schaf Dolly geklont worden war. Dabei wird aus einer Eizelle der Zellkern entfernt. Die Eizelle behält allerdings ihren Stoffwechsel, der auf die Bildung eines Embryos programmiert ist; in ihren Mitochondrien bleibt zudem etwas genetisches Material der Eizelle zurück.

Entscheidende Etappe auf dem Weg zum „therapeutische Klonen“
Im zweiten Schritt werden aus einer Körperzelle des Organismus, der geklont werden soll, die Chromosomen isoliert und in die „entkernte“ Eizelle eingebracht. Schließlich wird versucht, die Eizelle zur Teilung anzuregen. Ist diese „parthenogenetische Aktivierung“ gelungen, bildet sich zunächst eine Blastozyste. Erst wenn dieser Zellhaufen groß genug ist, um daraus Stammzellen zu entnehmen, haben die Forscher ihr Ziel erreicht. Diesen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum „therapeutischen Klonen“ haben die Forscher bei der jetzt vorgestellten Studie nicht unternommen.
Laut Veröffentlichung wurden 29 Eizellen verbraucht, aus denen sich nach dem Kerntransfer fünf Embryonen entwickelten. Der anschließende DNA-Test zeigte, dass drei der frühen Embryonen das Erbgut aus den Körperzellen enthielten. Bei einem Embryo konnte zudem mitochondriale DNA nachgewiesen werden, die sowohl von der Eizelle als auch von der Körperzelle stammte. Die Umsetzung der SCNT hat sich in der Vergangenheit als schwierig erwiesen. Entsprechend kritisch werden die Untersuchungen betrachtet.
Derweil haben britische Forscher die Erlaubnis erhalten, menschliche Zellen in tierischen Eizellen zu klonen. Die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) erteilte jetzt zwei Gruppen in London und Newcastle eine endgültige Genehmigung für erste Experimente. zyl
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