ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008pro und kontra aus der DÄ-Redaktion: Kontra Stichtagsverschiebung

POLITIK

pro und kontra aus der DÄ-Redaktion: Kontra Stichtagsverschiebung

Dtsch Arztebl 2008; 105(4): A-134 / B-121 / C-121

Klinkhammer, Gisela

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Es ist gibt gute und nachvollziehbare Gründe, die für eine Verschiebung des Stichtags sprechen. Doch wenn man davon ausgeht, dass menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt (und bisher gibt es noch keine überzeugenden Argumente, die dagegensprechen), dann darf der Zweck die Mittel nicht heiligen. Das heißt, dass menschliches Leben, auch sich heranbildendes menschliches Leben, nicht zum Zweck medizinischer Forschung getötet werden darf. Die Stichtagsregelung versucht diese Instrumentalisierung menschlicher Embryonen zu verhindern. Durch sie wird die zweckgerichtete Herstellung und Tötung von Embryonen umgangen, und Forscher werden auf sogenannte überzählige Embryonen verwiesen. Fraglich ist, ob es überhaupt ethisch zu rechtfertigen ist, diese überzähligen Embryonen für Forschungszwecke zu instrumentalisieren. Doch konnte eine zeitliche Befristung immerhin sicherstellen, dass eine spätere „verbrauchende“ Nutzung von Embryonen bei deren Tötung keine Rolle spielen dürfe. Jetzt scheint allerdings einzutreten, was Kritiker der Einführung der Stichtagsregelung schon immer befürchteten: Einer Verschiebung wird voraussichtlich als Nächstes die völlige Aufhebung folgen. Die Frage, ob mit einem Verbot der embryonalen Stammzellforschung die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Forschung gefährdet ist, darf übrigens in einer solch fundamentalen ethischen Frage kein Argument sein. Abgesehen davon gibt es bisher auch noch keine Beweise für medizinische Erfolge der Forschung mit embryonalen Stammzellen. Dies alles spricht für eine Förderung der ethisch unbedenklichen Forschung mit adulten Stammzellen.
Gisela Klinkhammer
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