ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Krankenhäuser: Ausbeutung
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Es ist überfällig, über dieses Schandthema zu berichten, die konfessionellen Ausbeuter der Ärzteschaft beim Namen zu nennen und als ärztlicher Arbeitnehmer um diese Krankenhäuser einen großen Bogen zu machen. Ich habe es selbst erlebt, als ich Mitte der 90er-Jahre an ein evangelisches Krankenhaus in einem Kurort eine Bewerbung um eine Assistentenstelle (Innere Medizin) geschickt habe. Auf die mündliche Stellenzusage hin suchte ich mir eine Wohnung. Danach hörte ich nichts mehr von der Klinik. Auf telefonische Nachfrage hin teilte man mir nach langem Hin und Her mit, dass man diese Stelle zwischenzeitlich an einen ausländischen Arzt aus Exjugoslawien vergeben habe. Die Bewerbungsunterlagen bekam ich nicht zurückgesandt. Glücklicherweise hatte ich den Mietvertrag noch nicht unterschrieben. Ich bin daraufhin sofort aus der evangelischen Kirche ausgetreten und habe bis heute diesen Schritt nicht bereut. Die für meine Weiterbildung nötige Assistentenzeit in Innerer Medizin von einem Jahr habe ich als „Gastarzt“ unbezahlt in einem katholischen Krankenhaus abgeleistet. Zu der damaligen Zeit – Mitte der 90er-Jahre – war es mir nach zahllosen, teils entwürdigenden Bewerbungen unmöglich, eine derart kurzfristige, bezahlte Beschäftigung in der Inneren Medizin als Krankenhausarzt zu finden . . . Das katholische Krankenhaus hat seinerzeit meine persönliche Notlage schäbig und erbärmlich ausgeschlachtet. Ich habe diese Bedingungen nolens volens akzeptiert, um nicht arbeitslos zu sein und um die klinische Weiterbildung zu absolvieren . . . Erst wenn elementare Arbeitnehmerrechte den Ärzten in konfessionellen Krankenhäusern gewährt werden (Streikrecht, effektive Personalvertretungen etc.), sollten Ärzte diese Krankenhäuser als Arbeitnehmer betreten. Die Wahl sogenannter Sprecher der Ärzteschaft in konfessionellen Krankenhäusern ist scheinheilig, da diese Kollegen meist noch keine abgeschlossene Weiterbildung haben und daher besonders gut erpresst werden können . . .
Dr. med. Michael Langbein, Blücherstraße 2 a, 35683 Dillenburg
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