ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Chefärzte: Selbst betroffen
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Herrn Dr. Pommer möchte ich zu seinem Beitrag gratulieren und zu seinem Mut beglückwünschen, die Umgangsformen in deutschen Krankenhäusern öffentlich zu machen. Als selbst Betroffene frage ich, wie lange Verwaltungen und Geschäftsführer noch nach Gutsherrenart mit Ärzten, insbesondere Chefärzten, umspringen dürfen, wie es beliebt . . . In einer schwäbischen Kleinstadt wurde zu Jahresanfang eine neue Chefärztin der unfallchirurgischen Abteilung gewählt. Fünfeinhalb Monate war alles im Lot, keinerlei Kritik, kein Gespräch mit Verwaltung oder Geschäftsführung – nichts –. Die Abteilung wurde durch Vorträge, Veranstaltungen wie einem „Tag der offenen Tür“ und Presseartikel – der letzte nur wenige Tage zuvor – medienwirksam vermarktet. Zehn Tage vor Ablauf der Probezeit wurde die Chefärztin zum Geschäftsführer bestellt und massiv gedrängt, einen Auflösungsvertrag zu unterschreiben, begründet durch Intrigen, aufgebauschte, vorgeschobene und an den Haaren herbeigezogene Gründe. Der Auflösungsvertrag sollte just dann in Kraft treten, wenn der leitende Oberarzt und härteste Rivale bei der Stellenbesetzung die ihm bislang noch fehlende Zeit zur Erlangung der Qualifikation zur Behandlung schwerer Arbeitsunfälle nachweisen könnte – war dieser Schachzug vielleicht von langer Hand geplant? Nachdem sie sich weigerte, den Auflösungsvertrag zu unterschreiben, wurde ihr am letzten Tag der Probezeit zwei Stunden vor Dienstende gekündigt. Formaljuristisch ist diese Kündigung in beziehungsweise ganz knapp vor Ablauf der Probezeit korrekt und nicht anfechtbar. Wie ist das aber von der menschlichen Seite zu sehen? Ist ein derartiges Verhalten noch menschenwürdig, verstößt es nicht gegen jegliche gute Sitten und Moral? Müssen sich gut ausgebildete, erfahrene Mediziner dieses Verhalten bieten lassen? Wen wundert es bei so viel Menschenverachtung noch, dass der ärztliche Nachwuchs ausbleibt, Ärzte in andere Berufsfelder ausweichen oder ins Ausland abwandern? Ulla Schmidt sollte sich dringend dafür einsetzen, dass die Menschlichkeit in deutsche Krankenhäuser zurückkehrt und die Macht der Verwaltungen reduziert wird, dann und erst dann wird es in Deutschland auch wieder Nachwuchsmediziner geben!
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