ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Fortbildung: Ein Fehlschlag
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Dr. Bartmann, Vorsitzender des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung, sieht die punktefixierte Fortbildung „kritisch“ und bemerkt, die starke Konkurrenz medialer Anbieter habe es für die auf Punkteerwerb fixierten Nutzer leicht gemacht. Sodann stellt er fest, dass das System unbefriedigend und wenig zielführend im Sinne der ursprünglichen Intention – nämlich Kompetenzerhalt – sei. Der Senat werde sehr bald schon erörtern, wie man in Zukunft wieder zu inhaltlichen Schwerpunkten zurückkehren und damit besser als mit dem untauglichen Punktesystem den notwendigen Kompetenzerhalt . . . sicherstellen könne. Abgesehen davon, dass die zur Fortbildung behördlich gegängelten Kollegen zu „auf Punkteerwerb fixierten Nutzern“ degradiert werden, wird hiermit das mit großem organisatorischem und finanziellem Aufwand installierte Punktesystem als ein totaler Fehlschlag zu Grabe getragen . . . Ein Fehlschlag, der die ersatzlose Beendigung des erfolglosen Programms verlangt. Das laufende Punktesystem wurde nie evaluiert, sein Wert blieb hypothetisch. Die naive und durch nichts bewiesene Begründung, Punkte garantierten verbesserte Kompetenz, kann nur von Gesundheitstheoretikern oder Funktionären stammen, die längst schon keine Patienten mehr behandeln müssen. Der legitime und einzig sinnvolle Platz des Punktesystems ist bei den von der Ge­sund­heits­mi­nis­terin immer wieder zitierten Sparpotenzialen. Es muss allerdings befürchtet werden, dass das Thema ärztlicher Fortbildung auch nach dem offensichtlichen Scheitern des Punktesystems zur Schaffung neuer Programme führen wird. Der politische Irrglaube, ärztliche Fortbildung durch Kontrolle regulieren und überwachen zu können, ist eine Illusion, und eine teure zudem. Stattdessen sollte ärztliche Fortbildung wieder in die Verantwortung des einzelnen Arztes gelegt werden. Hoffentlich.
Dr. med. Johannes Püschel, Engelsteinstraße 11,
83346 Bergen
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