ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Kommentar: Nicht gerechtfertigt
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Die Feststellung „Kein geeigneter Lösungsansatz“ bezogen auf die Priorisierungsstrategie insbesondere im skandinavischen Gesundheitswesen erscheint mir – zumindest so kategorisch – nicht gerechtfertigt. Warum sollten die medizinischen Aufwendungen für eine Therapie mit hoher kurativer Chance und/oder hoher Dringlichkeit nicht besser abgegolten werden als z. B. ein gleich großer Aufwand für eine intensive medikamentöse Therapie, deren Nutzen nur wenig oder fraglich besser ist als der Spontanverlauf? Aus der täglichen klinischen Arbeit sind mir zahlreiche Fälle bekannt, in denen wegen „Therapiewunschs“ ein hoher Aufwand betrieben wurde und wegen Komplikationen die erhoffte (geringe) Prognoseverbesserung ausgeblieben ist, während mit einem Bruchteil dieses Aufwands eine effektive Symptomlinderung (und damit mehr QUALY) hätte bewirkt werden können. Welches bessere Gerechtigkeitsprinzip schlägt Herr Dr. Schäfer denn vor? Eine Nutzen-Risiko-Bewertung unter Einbeziehung der Aufwand-Nutzen-Relation und darauf aufbauende Priorisierung ist meines Erachtens ein Lösungsansatz, der sich auch unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit sehen lassen kann. Gerade auch die eventuell niedrigere Prioritätsstufe bei multimorbid Kranken oder älteren Patienten hat nichts mit einer – von Dr. Schäfer wohl befürchteten – Diskriminierung dieser Patientengruppen zu tun, sondern entspricht der klinischen Erfahrung, dass dabei oft eine deutlich ungünstigere Nutzen-Risiko-Konstellation für ein Therapieverfahren vorliegt im Vergleich zum „sonst gesunden“, jüngeren Patienten. Man wird ewig suchen nach einem idealen Gerechtigkeitsprinzip – die Zeit drängt aber in Deutschland. Schon ist Bewährtes, wie eine preiswerte, wohnortnahe Medizin, nicht mehr wie früher eine Selbstverständlichkeit . . .
Dr. Heinrich Günther, Lönsstraße 12,
01259 Dresden
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