ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Delphi-Studie zu IT im Gesundheitswesen: Pflegeroboter unerwünscht

TECHNIK

Delphi-Studie zu IT im Gesundheitswesen: Pflegeroboter unerwünscht

Dtsch Arztebl 2008; 105(4): A-174 / B-161 / C-160

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Übernehmen „Serviceroboter“ künftig Arbeiten im Haushalt oder bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen? Die Bildmontage zeigt die „Hand“ eines fiktiven Pflegeroboters, der Tabletten reicht. Foto: dpa
Übernehmen „Serviceroboter“ künftig Arbeiten im Haushalt oder bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen? Die Bildmontage zeigt die „Hand“ eines fiktiven Pflegeroboters, der Tabletten reicht. Foto: dpa
Künstliche Nieren, Roboter als Pflegepersonal in der Klinik – an der Schnittstelle von Informationstechnologien (IT) und Gesundheitsdienstleistungen sind viele neue Anwendungen denkbar. Aber sind sie auch technisch machbar? Und vor allem: Sind sie auch von den Patienten erwünscht? Diese Fragen beantwortet eine Delphi-Studie, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung im Rahmen des FAZIT-Projekts des Landes Baden-Württemberg erstellt hat. Das Karlsruher Institut fragte rund 200 Experten aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Verbänden, welche IT-Anwendungen in der Gesundheitsbranche bis 2020 machbar, für die Patienten sinnvoll und ökonomisch lohnend sind.
Die meisten der 36 Thesen hielten die Experten bis 2020 für technisch realisierbar, darunter die Fernüberwachung von Risikopatienten, die bessere Auslastung der Kliniken durch EDV-gestützte Planungssysteme oder Implantate, die Körperfunktionen überwachen und automatisiert Medikamente abgeben. Die Befragten gehen davon aus, dass sich dadurch neue Märkte entwickeln werden, vor allem bei Technologien, die noch in weiteren Anwendungsfeldern eine Rolle spielen. Dies gilt zum Beispiel für RFID-Chips, die bereits heute in der Warenlogistik eine große Rolle spielen. Diese Funketiketten könnten Alzheimer-Patienten helfen, verlorene Gegenstände wiederzufinden, oder sie könnten im Krankenhaus den Behandlungsverlauf und die Medikamentengabe von Patienten speichern. Geringe Chancen bei den Experten haben Pflegeroboter, wie sie in japanischen Kliniken schon getestet werden. Einige der Befragten halten einen vollwertigen Ersatz für menschliches Pflegepersonal für technisch nicht realisierbar, gleichzeitig wurden Pflegeroboter von den meisten auch als „nicht erwünscht“ eingestuft, selbst angesichts eines drohenden Mangels an Pflegepersonal. Hemmnisse sehen die Experten auch bei anderen Anwendungen, wobei neben technischen Schwierigkeiten häufig Akzeptanzprobleme bei den Patienten oder offene Fragen beim Datenschutz genannt wurden.
Die Delphi-Studie „Zukünftige Informationstechnologie für den Gesundheitsbereich“ ist im Internet unter www.fazit-forschung.de abrufbar. EB
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