ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Börsebius: Angst treibt das Gold nach oben

GELDANLAGE

Börsebius: Angst treibt das Gold nach oben

Dtsch Arztebl 2008; 105(4): A-178 / B-162 / C-162

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Obwohl Gold im Grunde auch bloß ein Wirtschaftsgut ist, hat das gelbe Edelmetall das Zeug zu vielfältigsten Funktionen. Seit Menschengedenken jagen Leute hinter ihm her, ganze Kulturen wurden wegen ihrer Goldschätze vernichtet, vermutlich wurden seinetwegen, über den Erdball verteilt, Abertausende um die Ecke gebracht, um der reinen Gier willen, versteht sich.
Anderseits haben immer wieder Krügerrand, Vreneli oder Dukaten vielen Menschen auf der Flucht und in Krisenzeiten das Leben gerettet, im Tausch gegen Speck und Kartoffeln, oder für eine Bleibe über dem Kopf sicherte Gold die nackte Existenz. Die Zentralbanken der Welt horten Barren über Barren als Ausweis ihrer Leistungskraft. Aber auch als purer Schmuck ist Gold gefragt wie eh und je.
Was also darf eine Feinunze Gold kosten? 50 Dollar, 100 Dollar, 500 Dollar, 5 000 Dollar?
Während es bei einer Aktie, zumindest theoretisch, noch relativ einfach ist, den fairen Preis (innerer Wert, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Ertragswert) zu ermitteln, wird es beim gelben Edelmetall schon ziemlich schwierig. Gut, Sie können jetzt einwenden, letztlich ist es auch bloß ein Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Das stimmt schon, aber wenn etwa Angst als Nachfragemacht auftritt, dann kann sich hier schon ein ungeheurer Sog nach oben aufbauen, der fundamental in keiner Weise mehr zu rechtfertigen ist. Mir scheint, wir haben derzeit bei einem Goldpreis nahe der 900-Dollarmarke einen ziemlich hohen Panikfaktor eingepreist, der sich zu einem großen Teil aus der permanenten Unsicherheit an den Finanzmärkten wegen der wüsten US-Immobilienkrise speist. Und es ist eben genau dieser nicht kalkulierbare Angstfaktor, der den Unzenpreis auch noch über 1 000 Dollar treiben mag, wirklich gerechtfertigt scheint mir die Bewertung aber nicht zu sein.
Von der industriellen Nachfrage her ist jedenfalls dieser Preis nicht zu rechtfertigen, sie macht (im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie etwa Platin oder Kupfer) bestenfalls zwölf bis 15 Prozent der Nachfrage aus.
Auch wenn Gold derzeit als Angstwährung und Krisenschutz sehr gefragt ist, sollten Käufe, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen vorgenommen werden. Die Rückschlagsgefahr ist einfach zu groß. Wehe, wenn die Notenbanken ihre Bestände verringern sollten. Angst bleibt eben ein schlechter Ratgeber.
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