ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2008Essenzielle Thrombozythämie – Klinische Bedeutung, Diagnostik und Therapie: Mutationen bei familiären Thrombozythämien
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LNSLNS Familiäre, zumeist autosomal dominant, aber auch rezessiv oder selten X-chromosomal vererbte Formen der essenziellen Thrombozythämie (ET) sollten als eine weitere, recht heterogene Entität erkannt und klassifiziert werden. Innerhalb dieser Gruppe der ET wurden bei einer Reihe von Patienten Mutationen im Thrombopoietin (Tpo)-Genlocus identifiziert, die sich typischerweise in der 5'-untranslatierten Region finden. Diese Mutationen führen zu einer gesteigerten Translationseffizienz der Tpo-mRNA und so zur Überproduktion von Tpo (1). Der Hämatokrit und die Leukozytenzahl sind charakteristischerweise normal.
Ferner können familiäre Thrombozythämien durch Mutationen des Tpo-Rezeptors (TpoR/c-Mpl) bedingt sein. Bei Mutationen in der transmembranösen Domäne des TpoR werden intrazelluläre Signalwege vermehrt aktiviert (2). Dagegen führen Mutationen in der extrazellulären Bindungsdomäne des TpoR zu einer gestörten Regulation der Tpo-Konzentrationen im Plasma. Die verminderte Absorption von Tpo an mutierte Tpo-Rezeptoren auf den Thrombozyten resultiert in erhöhten zirkulierenden Tpo-Konzentrationen und bewirkt die Überstimulation der Megakaryopoiese (3).
Allerdings kann bei mehr als der Hälfte der familiären Thrombozythämien eine Tpo- oder TpoR-Mutation ausgeschlossen werden, sodass andere Faktoren pathophysiologisch relevant sein müssen. Bei Kindern und Adoleszenten mit familiären Formen der ET sind die Thrombozytenzahlen niedriger (< 1 500/nL) als bei nicht-familiären Formen. Eine Splenomegalie sowie thrombotische oder hämorrhagische Komplikationen sind sehr selten. Nur bei solchen Komplikationen wird eine Behandlung erwogen, mit einer zunehmenden Bevorzugung von Anagrelid aus den von Grieshammer et al. dargestellten Gründen. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0071c

Prof. Dr. med. Christof Dame
Klinik für Neonatologie
Campus Virchow-Klinikum
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburgerplatz 1, 13353 Berlin
E-Mail: christof.dame@charite.de
1.
Wiestner A, Schlemper RJ, van der Maas AP, Skoda RC: An activating splice donor mutation in the thrombopoietin gene causes hereditary thrombocythaemia. Nat Genet 1998; 18: 49–52. MEDLINE
2.
Ding J, Komatsu H, Wakita A et al.: Familial essential thrombocythemia associated with a dominant-positive activating mutation of the c-MPL gene, which encodes for the receptor for thrombopoietin. Blood 2004; 103: 4198–200. MEDLINE
3.
Moliterno AR, Williams DM, Gutierrez-Alamillo LI, Salvatori R, Ingersoll RG, Spivak JL: Mpl Baltimore: a thrombopoietin receptor polymorphism associated with thrombocytosis. Proc Natl Acad Sci USA 2004; 101: 11444–7. MEDLINE
1. Wiestner A, Schlemper RJ, van der Maas AP, Skoda RC: An activating splice donor mutation in the thrombopoietin gene causes hereditary thrombocythaemia. Nat Genet 1998; 18: 49–52. MEDLINE
2. Ding J, Komatsu H, Wakita A et al.: Familial essential thrombocythemia associated with a dominant-positive activating mutation of the c-MPL gene, which encodes for the receptor for thrombopoietin. Blood 2004; 103: 4198–200. MEDLINE
3. Moliterno AR, Williams DM, Gutierrez-Alamillo LI, Salvatori R, Ingersoll RG, Spivak JL: Mpl Baltimore: a thrombopoietin receptor polymorphism associated with thrombocytosis. Proc Natl Acad Sci USA 2004; 101: 11444–7. MEDLINE

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