ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Randnotiz: Hamburger Rauchzeichen

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Randnotiz: Hamburger Rauchzeichen

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-185 / B-169 / C-169

Schmedt, Michael

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LNSLNS Gesetze und Verordnungen fordern seit jeher die Kreativität der Betroffenen heraus. Grenzen werden ausgetestet. Dem Staat ein Schnippchen zu schlagen, ist in gewisser Weise ein Volkssport geworden. Man fährt ein bisschen zu schnell, gibt bei der Fahrkostenpauschale den einen oder anderen Kilometer mehr an oder lässt das Kinderzimmer zum steuerlich absetzbaren Arbeitszimmer mutieren. Da macht auch die Rauchergesetzgebung keine Ausnahme: Vom Raucherklub über Schmierestehen bis hin zum Boykott berichten die Medien über die vielfältigsten Wege, um weiter qualmen zu können. In Hamburg hat nun ein passionierter Pfeifenraucher einfach sein Büro als Raucherzimmer deklariert – mit Genehmigung seiner Vorgesetzten, wie das Hamburger Abendblatt berichtete. Man könnte es vor dem Hintergrund der alles andere als klaren Gesetzgebung einen Schildbürgerstreich nennen, wäre der Hamburger Bürger nicht zugleich der Innnensenator der Hansestadt. Udo Nagel (parteilos) hat auf den privaten Status seines Senatorenbüros verzichtet, so kann er in seinem neuen Raucherraum weiter genüsslich an seiner Pfeife ziehen. Allerdings muss er sein Büro nun allen Mitarbeitern seiner Behörde frei zugänglich machen – zumindest, wenn er nicht da ist, wie eine Sprecherin der Innenbehörde dem Abendblatt sagte. Das mag zwar die Gruppendynamik und Geselligkeit fördern, mit der die Raucher so gern ihre Sucht rechtfertigen. Man fragt sich aber, ob man eher über so viel Chuzpe schmunzeln soll, mit der Nagel das einstimmig beschlossene „Hamburgische Passivraucherschutzgesetz“ konterkariert, oder über so viel politische Dummheit.
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