ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008„Es gibt schon einige Besserwisser“

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„Es gibt schon einige Besserwisser“

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-209 / B-187 / C-187

Rieser, Sabine

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Irgendwann Anfang der 90er-Jahre wurde Dr. med. Joachim Seffrin (51) von seiner KV eingeladen, sich mit Kollegen über das eigene Verordnungsverhalten auszutauschen. „Ich hatte damals den Wunsch, Patienten vernünftig zu therapieren, und fand den QZ sehr sachbezogen und sehr fesselnd“, erinnert sich der niedergelassene Allgemeinarzt aus Darmstadt.
Heute ist er überzeugt, dass die Qualitätszirkel für seine Arbeit von hohem Wert waren: „Ich bin mir in meinen Entscheidungen sehr viel sicherer als früher.“
Ein paar Jahre später wurde Seffrin gefragt, ob er nicht selbst einen Qualitätszirkel moderieren könne. Der Hausarzt wollte sich nicht drücken, hatte aber Bedenken: „Die größte Herausforderung schien mir zu sein, die Leute nicht vor den Kopf zu stoßen. Ich bin nämlich eher direkt.“ Mittlerweile ist er ein erfahrener QZ-Moderator und bildet sich zum Tutor fort.
Manchmal hätte er sich allerdings im Rahmen der Moderatorenschulungen noch eine etwas bessere Vorbereitung auf schwierige Kollegen und Situationen gewünscht. Unvergessen sind ihm Debatten über intramuskuläre Spritzen in einem Qualitätszirkel zum Thema Schmerztherapie. Trotz aller Diskussionen über die Risiken waren einige Kollegen nicht von Therapiealternativen zu überzeugen. „Es gibt halt Besserwisser und Unbelehrbare“, seufzt der Allgemeinmediziner. Warum? „Zu viele Ärzte sind davon überzeugt, dass sie die Größten sind“, meint Seffrin. Zudem entlade sich manchmal im Rahmen eines Qualitätszirkel auch „der ganze Frust und die Wut von Kollegen auf die KV“.
Die Tutorenausbildung wird ihm nach seiner Einschätzung helfen, den Horizont zu erweitern und für die QZ-Arbeit dazuzulernen. Ob sich später alles umsetzen lässt, bezweifelt er. Die Recherche in medizinischen Datenbanken sei beispielsweise ein spannendes Thema in der Tutorenausbildung, aber für viele Kollegen am Ende doch zu aufwendig umzusetzen. Dennoch gibt Seffrin dem QZ-Engagement der KVen und der KBV gute Noten: „Angesichts dieser Aktivitäten kann man jedem sagen: Wir sind kein Hobbyladen.“ Rie
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