ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Der neue EBM: Tief erschüttert
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Ich bin am Anfang meiner beruflichen Karriere und seit dem 1. Dezember 2007 niedergelassener Allgemeinmediziner. Somit noch grün hinter den Ohren, was unsere Standespolitik betrifft. Trotz meiner kurzen Zeit in der ambulanten Medizin kann ich jedoch nur noch den Kopf schütteln und würde am liebsten meine Zulassung wieder zurückgeben. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie tief ich über den neuen EBM und dessen Veränderungen erschüttert bin. Seit Jahren wird davon gesprochen, dass die Allgemeinmedizin aufgewertet werden soll . . . Und was passiert? Es wird ein EBM eingeführt, der all unsere Leistungen auf ein Dutzend beschränkt und uns mit einer Versicherungspauschale abspeist. Es kann doch nicht sein, dass auf der einen Seite ein Qualitätsmanagement verpflichtend durchgeführt werden muss und dann ein EBM eingeführt wird, der gerade das Gegenteil von Qualität und adäquater Patientenbetreuung belohnt. Ich bin momentan ein Gehalt als Weiterbildungsassistent von 2 840 Euro brutto bei voller Arbeit und Verantwortung gewohnt (nach einem Jahr PJ für null Euro und einem Jahr als AiP für 1 100 Euro/Monat). Insofern geht es mir auch nicht um die real bei der neuen EBM-Regelung kommende Honorierung für meine ärztliche Tätigkeit. Ich werde damit bestimmt irgendwie leben können. Mir geht es vielmehr um die Ungerechtigkeit, die in dieser neuen EBM-Regelung enthalten ist. Was bringen diese Pauschalen, außer, dass Faulheit und Verschieben von Verantwortung belohnt wird? Warum noch Verantwortung für Leistungen übernehmen, wenn in keiner Weise die potenziellen Gefahren, z. B. bei Punktionen (und den vielen weiteren Leistungen, die im „Verzeichnis der nicht gesondert berechnungsfähigen Leistungen“aufgeführt sind, immerhin 27 Seiten mit qualitativ wertvollen und verantwortungsvollen Leistungen), honoriert werden? Wer hat diesen falschen Weg eingeschlagen, und warum? Überall in der freien Wirtschaft wird versucht, durch gute Dokumentation und exakte Auflistung seiner Leistung eine transparente und nachvollziehbare Honorierung zu erreichen. Und was wird geschehen mit dem neuen EBM? . . . Wenn wir unsere Arbeit in den nächsten Jahren nicht glaubhaft dokumentieren und auch abrechnen können, wird unsere Arbeit zum nebulösen Einkassieren von Pauschalen, und wir werden zunehmend unglaubwürdig. Vor Jahren wollte man die Rechnung für den Kassenpatienten wie für den Privatpatienten einführen. Das wäre aus meiner Sicht das richtige Modell, einfach, transparent und vertrauenschaffend. Jede Leistung, die erbracht wird, soll dokumentiert und bezahlt werden, wie in jedem anderen Beruf auch . . .
Martin Deubel, Dr.-Lea-Ültzhöffer-Straße 17,
68799 Reilingen
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