ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008„Blindsight“: Die Kraft des Willens

KULTUR

„Blindsight“: Die Kraft des Willens

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-221 / B-199 / C-199

Osterloh, Falk

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Foto: TAO Cinemathek
Foto: TAO Cinemathek
In dem Dokumentarfilm „Blindsight“ zeigt sich bei einer eigentlich unmöglichen Expedition, was der Mensch zu leisten imstande ist.

Es klingt unglaublich. Sechs Kinder zwischen 14 und 19 Jahren besteigen den Lhapka Ri, einen 7 000 Meter hohen Berg im Himalaja. Unglaublich daran ist, dass alle sechs Kinder nicht sehen können. Sie sind blind geboren oder haben ihr Augenlicht durch einen Unfall verloren. In Tibet wiegt dieses Schicksal besonders schwer, da die Tibetaner glauben, dass Blindheit die göttliche Strafe für eine furchtbare Tat in einem früheren Leben ist. So werden Blinde von der tibetanischen Gesellschaft geächtet. Um blinden Kindern zu helfen, hat die deutsche Lehrerin Sabriye Tenberken – sie ist ebenfalls blind – eine Schule in Tibet gegründet, in der sie den Kindern eine Ausbildung gibt und ihnen hilft, sich in der Welt der Sehenden zurechtzufinden.
Als sie davon hörte, dass mit Erik Weihenmayer erstmals ein blinder Mensch den Mount Everest bestiegen hat, lud sie ihn und sein Team nach Tibet ein, damit sie den Kindern davon berichten. Daraus entstand die Idee für eine Expedition, die es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben hat: Ein blinder Bergsteiger und sein Team führen sechs blinde Kinder auf einen der höchsten Berge der Erde. Die Dokumentarfilmerin Lucy Walker hat die Expedition mit der Kamera begleitet. Herausgekommen ist ein zutiefst menschlicher Film über Kinder, die ihrem Schicksal mit Mut und Lebensfreude begegnen und die die Grenzen, die ihnen von der Gesellschaft auferlegt wurden, nicht akzeptieren. Ebenso unaufdringlich wie unbeirrt begleitet „Blindsight“ den Kampf der blinden Kinder für ein gleichberechtigtes Leben, zeigt ihre zum Teil erschütternde Lebensgeschichte und wie sie gemeinsam die Anstrengungen der Expedition in eine der unwirtlichsten und gleichzeitig eine der schönsten Landschaften dieser Erde überwinden.
Falk Osterloh
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