ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Medizingeschichte: Begeisterung und Sympathie

KULTUR

Medizingeschichte: Begeisterung und Sympathie

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-222 / B-200 / C-201

Schott, Heinz

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Karl Ernst von Mühlendahl: William Harveys „Von der Bewegung des Herzens“. Die Geburt einer Idee. Herstellung und Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2006, 120 Seiten, gebunden, 17 Euro
Karl Ernst von Mühlendahl: William Harveys „Von der Bewegung des Herzens“. Die Geburt einer Idee. Herstellung und Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2006, 120 Seiten, gebunden, 17 Euro
Im Jahr 1628 erschien in Frankfurt am Main die Schrift des englischen Arztes und Naturforschers William Harvey (1578–1657) in lateinischer Sprache: „Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus“ (Anatomische Abhandlung von der Bewegung des Herzens und des Blutes bei Lebewesen). Darin teilte der Autor seine Entdeckung des (großen) Blutkreislaufs mit, die ihm dank tierexperimenteller Forschungen, physiologischer Beobachtungen und mathematischer Berechnungen gelungen war. Diese in der Tat revolutionäre Erkenntnis fand jedoch erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihre allgemeine wissenschaftliche Anerkennung.
Der Osnabrücker Pädiater und Umweltmediziner Karl Ernst von Mühlendahl hat diesem Meilenstein der Medizingeschichte ein Büchlein gewidmet. Er stellt Harveys Entdeckung im Zusammenhang mit der wechselvollen Biografie dieses bereits zu Lebzeiten berühmten Arztes dar. Anschaulich werden die einzelnen Lebensphasen – illustriert durch Zitate und einige Abbildungen – vorgestellt, insbesondere seine Tätigkeit als Leibarzt der englischen Könige sowie seine akademischen Funktionen in Oxford und London.
Im Mittelpunkt steht die „Geburt einer Idee“: Vor dem Hintergrund der traditionellen galenischen Lehre von der Pendelbewegung des Blutes referiert von Mühlendahl Harveys neues Kreislaufkonzept, indem er dessen Argumentation auf 14 Seiten Schritt für Schritt nachzeichnet. Aber auch das (oft vergessene) übrige wissenschaftliche Werk Harveys wird kurz skizziert, vor allem die umfangreiche Abhandlung „De generatione animalium“ von 1651 über die Anatomie und Physiologie der Fortpflanzung bei Tier und Mensch.
Das Buch in handlichem Format ist leserfreundlich gestaltet. Inhaltlich erscheint es insofern altmodisch, als es eine umwälzende Erkenntnis der Medizin dem Genius eines einzelnen Forschers zuschreibt und den kultur- und wissenschaftshistorischen Kontext dabei weitgehend ausblendet. Umso stärker spürt man auf jeder Seite die Begeisterung und Sympathie des Autors für seinen Helden („diesen genialen Mann“) – keine schlechte Voraussetzung, um auch andere für seinen Ausflug in die Medizingeschichte zu begeistern. Heinz Schott
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