ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Morbus Parkinson: Piribedil erweitert Therapiespielraum

PHARMA

Morbus Parkinson: Piribedil erweitert Therapiespielraum

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-224 / C-203

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Zur Behandlung des idiopathischen Parkinsonsyndroms kann seit November 2007 auch Piribedil (Clarium®) verordnet werden. Es handelt sich dabei um einen Dopaminagonisten vom Nonergot-Typ, der einige Vorteile gegenüber den bisher verfügbaren Optionen erwarten lässt. Das Attribut „neu“ kann Piribedil allerdings nur bedingt für sich in Anspruch nehmen, denn die Erstzulassung erfolgte in Frankreich bereits 1990 und danach sukzessive in mehr als 40 anderen Ländern weltweit. Die langjährigen klinischen Erfahrungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Piribedil in Monotherapie oder add on zu Levodopa konnten durch die für die Zulassung in Deutschland relevanten Studien mit den Akronymen REGAIN (1) und CONTROL (2) er-neut bestätigt werden.
Es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass bei „jüngeren“ Parkinsonpatienten initial bevorzugt ein Dopaminagonist statt Levodopa eingesetzt werden sollte. Dabei ist „jung“ eher biologisch als kalendarisch zu verstehen und die in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie genannte Grenze von 70 Jahren nur ein fiktiver Wert. Diese Strategie zielt darauf ab, die Entwicklung motorischer Komplikationen, wie insbesondere Dyskinesien und Wirkungsfluktuationen, zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.
Allerdings ist das ehemals breite Spektrum an Alternativen in letzter Zeit deutlich schmaler geworden. Schuld daran sind Hinweise aus klinischen Studien, dass unter Ergot-Dopaminagonisten ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Herzklappenfibrosen besteht. Obwohl bisher nur die Zulassung von Cabergolin und Pergolid auf den Einsatz als Mittel zweiter Wahl beschränkt wurde, hält Prof. Wolfgang Jost (Wiesbaden) einen Gruppeneffekt für wahrscheinlich und damit bei allen Substanzen dieses Typs Vorsicht für angebracht.
Piribedil unterscheidet sich hinsichtlich seines pharmakologischen Profils nicht nur von den Ergot-Dopaminagonisten, sondern zum Teil auch von den Nonergot-Dopaminagonisten. Die Substanz wirkt agonistisch auf Dopamin-D2- und -D3-Rezeptoren, was sich in zuverlässiger motorischer Wirksamkeit niederschlägt und auf einen zusätzlichen antidepressiven Effekt hoffen lässt. Die Affinität zu den Serotonin-5-HT2B-Rezeptoren ist minimal, sodass die Entwicklung kardialer Fibrosen nicht zu erwarten ist.
Darüber hinaus wirkt Piribedil antagonistisch auf die noradrenergen Alpha-2A- und Alpha-2C-Adrenorezeptoren, was eine Response
levodoparesistenter Symptome wie Haltungsinstabilität und Gangstörungen verspricht und wahrscheinlich auch den mehrfach in Studien beobachteten positiven Einfluss auf Kognition und Vigilanz erklärt.
Gabriele Blaeser-Kiel

Pressekonferenz „Piribedil (Clarium®) – ein neuer Non-Ergot-Dopaminagonist mit einzigartigem Wirkprofil“ in Paris, Veranstalter: Desitin-Arzneimittel GmbH
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1.
Rascol O et al.: Mov Disord 2006; 21: 2110–5.
2.
Sastro-Caldas A et al.: Mov Disord 2006; 21: 500–9.
1. Rascol O et al.: Mov Disord 2006; 21: 2110–5.
2. Sastro-Caldas A et al.: Mov Disord 2006; 21: 500–9.

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