ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Novartis: Vertriebspartner Kasse

WIRTSCHAFT

Novartis: Vertriebspartner Kasse

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): A-226 / B-202 / C-204

Stüwe, Heinz

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Schnelles Wachstum: Peter Maag, Vorsitzender der Geschäftsführung Novartis Deutschland GmbH, ist mit den neuen Produkten sehr zufrieden. Foto: Novartis
Schnelles Wachstum: Peter Maag, Vorsitzender der Geschäftsführung Novartis Deutschland GmbH, ist mit den neuen Produkten sehr zufrieden. Foto: Novartis
Nicht nur für Generika, auch für Originalpräparate will das Unternehmen Rabattverträge abschließen. Dabei sollen Absatzmengen vereinbart werden.

Einen Tag, bevor die Konzernspitze am 17. Januar ihre Bilanz für 2007 präsentierte, gab es bei Novartis Deutschland helle Aufregung und zugleich Grund zum Feiern: Bei den Tochtergesellschaften Sandoz und Hexal in Holzkirchen standen von der EU geschickte Fahnder vor der Tür. Mit der Razzia bei mehr als 40 Unternehmen wollten sie klären, ob es Absprachen gibt, um die Einführung von Generika hinauszuzögern. Novartis erklärte, man kooperiere mit den Behörden. Den Anlass anzustoßen lieferte am selben Tag Novartis-Behring in Marburg, das von der Europäischen Arzneimittelagentur die endgültige saisonale Zulassung für den Grippeimpfstoff Optaflu erhielt, den ersten weltweit, der auf einer Zellkultur erzeugt wird. Die Zulassung markiert den erfolgreichen Abschluss von zwölf Jahren Entwicklungsarbeit.

Acht Markteinführungen in Deutschland
Die Diagnostik- und Impfstoffsparte war maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Umsatz von Novartis Deutschland 2007 um 12,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen ist. Außerdem sei das Wachstum von acht neu eingeführten Medikamenten beschleunigt worden, stellte Dr. Peter Maag,
Vorsitzender der Geschäftsführung, heraus. Er erhofft sich einiges beispielsweise von Exforge („eine der erfolgreichsten Markteinführungen“) und Rasilez, beides Mittel gegen Bluthochdruck.
Novartis musste 2007 aber auch Rückschläge hinnehmen: Im November ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte das Ruhen der Zulassung für Prexige (Wirkstoff: Lumiracoxib) wegen möglicher Leberschädigungen an. Hundertprozentige Sicherheit werde es nie geben, sagte Maag zu diesem Fall.
Novartis, mit elf Prozent Anteil Marktführer in Deutschland vor Sanofi-Aventis, beansprucht für sich auch die Spitzenstellung in der Forschung. Zu den Schwerpunkten der 125 klinischen Studien allein in Deutschland zählen die Indikationen multiple Sklerose (Fingolimod) und Atemwegserkrankungen (Indacaterol und Kombinationen).
Auf den zentralen Therapiegebieten Onkologie, Herz-Kreislauf und Neurologie will der mit 98 200 Beschäftigten viertgrößte Arzneimittelhersteller der Welt seine Position ausbauen. Nachdem der Konzern mit Sitz in Basel jahrelang mit zweistelligen Wachstumsraten geglänzt hatte, stieg der Umsatz 2007 um acht Prozent auf 39,8 Milliarden Dollar, bereinigt um Währungseffekte sogar nur um drei Prozent. Darin spiegeln sich die Probleme in den USA wider, wo der Umsatz mit Originalpräparaten aufgrund der Konkurrenz durch Generika und des Verkaufsstopps von Zelnorm, einem Mittel zur Behandlung des Reizdarmsyndroms, sogar schrumpfte. Daniel Vasella, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats, stellte für das zweite Halbjahr 2008 eine Rückkehr zum Wachstum in Aussicht – und abermals Rekordwerte beim Reingewinn, der 2007 um 66 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar gesprungen ist. Den Löwenanteil des Gewinns erwirtschaftet Novartis mit patentgeschützten Arzneimitteln, aber die Generika gewinnen an Bedeutung. Vor allem mit schwierig zu produzierenden Medikamenten will der Konzern am erwarteten Wachstum des Weltgenerikamarkts von jährlich neun Prozent partizipieren.
Bei Originalpräparaten wie bei Nachahmerprodukten registrieren die Novartis-Manager eine Machtverschiebung: Die Entscheidungskompetenz bei der Auswahl von Arzneimitteln gehe von den Ärzten auf die Kran­ken­ver­siche­rungen über, nicht nur in Deutschland. Hierzulande stehen die Rabattverträge für diese Umwälzung. Knapp 200 Verträge mit Krankenkassen hat Novartis schon geschlossen. Bei den Generika strebt das Unternehmen Verträge über das gesamte Produktportfolio an, um den Größenvorteil gegenüber Konkurrenten auszuspielen. Maag erwartet, dass künftig auch für patentgeschützte Originalpräparate in allen Substanzklassen Verträge abgeschlossen werden. „Wir wollen dabei aber nicht nur über Rabatte mit den Kassen verhandeln, sondern auch über Therapiekonzepte“, teilte er dem Deutschen Ärzteblatt mit. „Es müssen Mengen vereinbart werden.“ Mit sogenannten Risk-Sharing-Verträgen war Novartis 2007 Vorreiter: Bei dem Osteoporose-Mittel Aclasta gibt der Hersteller der DAK und der Barmer Ersatzkasse eine Geld-zurück-Garantie, wenn trotz Anwendung des Medikaments innerhalb eines Jahres Knochenbrüche auftreten (DÄ, Heft 3/2008). Verpflichtet sich eine Kasse, größere Mengen abzunehmen, werden solche Verträge trotz Preisnachlass für die Hersteller lukrativ. Gleichzeitig überdenkt Novartis wie andere Hersteller Größe und Struktur des Außendienstes. Und die Rolle des Arztes? „Wenn es um neue Produkte geht, bleibt die Kommunikation mit dem Arzt zentral“, versicherte Maag. „Aber nicht jedes Generikum ist erklärungsbedürftig.“
Heinz Stüwe
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