ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Bildungsmonitor 2007: „PISA-Schock hat viel bewirkt“

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Bildungsmonitor 2007: „PISA-Schock hat viel bewirkt“

Bühring, Petra

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LNSLNSLNSLNS Das Institut der Deutschen Wirtschaft verglich zum vierten Mal die Bildungssysteme der Bundesländer.

Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern haben im Ländervergleich in dieser Reihenfolge die besten Bildungssysteme. Die beiden ostdeutschen Länder weisen – auch aufgrund zurückgehender Schülerzahlen – die besten Betreuungsbedingungen sowie hohe Ausgaben je Schüler aus. Die Schulen dort sind überdurchschnittlich gut, ebenso wie in den beiden süddeutschen Ländern, die zudem die geringste Quote an Schulabbrechern aufweisen. „Der demografische Wandel bietet Chancen, bei gleichbleibendem Budget die Betreuung und Förderung der Kinder zu verbessern“, betonte Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Im vierten Jahr in Folge hat das IW im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) einen „Bildungsmonitor“ erstellt, der die Fortschritte bei der Reform der Bildungssysteme in den 16 Bundesländern analysiert.
„Der PISA-Schock hat viel bewirkt“, stellt Max Höfer, Geschäftsführer der INSM, fest. Alle Bundesländer konnten ihre Bildungssysteme klar verbessern. Seit 2000 wurde der Fremdsprachenunterricht an Grund- und Berufsschulen deutlich ausgebaut. Die Zahl der Hochschulabsolventen hat zugenommen. Ebenso der Anteil der Erstsemester in achelorstudiengängen. Immer mehr sogenannte Bildungsausländer studieren an deutschen Hochschulen. Auch der Ganztagsunterricht an den Schulen wurde ausgebaut, und die Bildungsausgaben je Schüler sind in fast allen
Bundesländern gestiegen.

Kaderschmieden für Ingenieure
Die Zunahme an Hochschulabsolventen dürfe indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland im internationalen Vergleich immer noch „unterakademisiert“ sei, sagte Klös. Besonderen Handlungsbedarf sieht er in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sogenannten MINT-Wissenschaften. Dort sind die Absolventenzahlen im Bundesdurchschnitt seit 2000 um knapp vier Prozent gesunken. Das läuft konträr zu der verstärkten Suche der Unternehmen nach Ingenieuren.
Die ostdeutschen Spitzenreiter Sachsen und Thüringen bilden dagegen weit überdurchschnittlich in den MINT-Fächern aus, nämlich 39 und 36 Prozent mehr als im Jahr 2000. Diese „Kaderschmieden“ für Ingenieure und Nachwuchsforscher leisteten einen umgekehrten Finanzausgleich, einen „Retransfer der Ostförderung über die Hochschulen“ sagte der IW-Geschäftsführer. Denn die Länder, die von der Ausbildung am meisten profitieren, sind Bayern und Baden-Württemberg, die die meisten Unternehmen haben.
www.insm-bildungsmonitor.de
www.insm-bildungsmonitor.de
Der Vergleich der Länder zeigt weiter einige deutliche Abweichungen nach unten und nach oben. So sind unter anderem in Nordrhein-Westfalen, das an vorletzter Stelle im Bildungsmonitor 2007 steht, die Betreuungsrelationen im Vorschulbereich, an den Schulen und Hochschulen weiterhin die ungünstigsten in Deutschland.
In Hamburg verlassen überdurchschnittlich viele Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen ohne einen Abschluss. In Niedersachsen gibt es erschwerte Bedingungen für junge Migranten – von 6 400 verließen 25 Prozent die Schule
ohne Abschluss. In Schleswig-Holstein hatte nur ein knappes Drittel der Grundschüler Fremdsprachenunterricht – im Bundesdurchschnitt sind es bereits 59 Prozent.
Mecklenburg-Vorpommern – auf dem letzten Platz im Bildungsmonitor – und Sachsen-Anhalt weisen die niedrigste Zahl erfolgreicher Abschlussprüfungen im dualen Ausbildungssystem auf. Auch bei der Integration von Migrantenkindern und Kindern mit bildungsfernem Hintergrund fallen die beiden ostdeutschen Länder deutlich zurück. In Brandenburg dagegen sind die Bildungschancen für diese Kinder im Bundesvergleich am größten.
In Berlin sind die Betreuungsrelationen gut und die Ganztagsbetreuung sehr weit entwickelt. Die Akademisierung liegt auch aufgrund der Attraktivität als Hochschulstandort weit über dem Durchschnitt. Auf der anderen Seite besteht dort ein hohes Risiko für Bildungsarmut. n
Petra Bühring
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