ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2008Ärzte-Schach: Besser Schach als Siesta

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Besser Schach als Siesta

Dtsch Arztebl 2008; 105(5): [144]

Pfleger, Helmut

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An dieser Stelle ist schon viel Lobendes (etwa zu viel?!) über das Ärzte-Schachturnier geschrieben worden, doch auch mir war bislang nicht in allen Facetten klar, wie gesundheitsfördernd beziehungsweise krankheitsverhindernd dieses Frühlingswochenende jeweils für die beteiligten Ärzte ist. Nein, ich meine nicht allseits bekannte Positiva, wie Freude am Spiel, geistige Beweglichkeit etc., sondern etwas, was mir nicht im Schlaf beziehungsweise in der Siesta eingefallen wäre. Und doch kann kein vernünftiger Zweifel bestehen bleiben, nachdem laut der „Süddeutschen Zeitung“ ausgerechnet spanische Ärzte auf die bedenklichen Folgen der Siesta, dieses nationalen Kulturguts hingewiesen haben. In einem Krankenhaus in Cáceres wurde an 4 000 Patienten getestet, welche gesundheitlichen Folgen eine ausgedehnte Siesta hat.
Das Ergebnis war niederschmetternd. Von Goya wissen wir, dass der Schlaf der Vernunft Monster gebiert, doch hier wurde die Palette der Schrecken um Bluthochdruck, Herzinfarkt und Hirnschlag erweitert. Da mag der spanische Literaturnobelpreisträger Camilo José Cela die Siesta auch als „iberische Form des Yoga“ bezeichnen, wer sich, sei es im Bett, sei es unter einem Olivenbaum, nachmittags zur Ruhe legt, kann von Glück reden, wenn er wieder aufwacht.
Nun fragen Sie sich vielleicht, was denn die Siesta mit dem Ärzteturnier zu tun habe? Ganz einfach, für solch gesundheitsschädigende Schlummerphasen ist dort gar keine Zeit. Weder vom Turnierablauf her, noch von der Kürze der Partien mit höchstens einer halben Stunde Bedenkzeit. Und außerdem ist Schach viel zu spannend, wie der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker einmal ausführte.
Also, denken Sie an Ihre Gesundheit, und melden Sie sich zum nächsten Ärzteturnier vom 28. bis 30. März in Bad Homburg an. Als Lockspeise noch etwas vom letzten.
Obwohl Dr. med. Friedrich Rogowski als Schwarzer materiell beträchtlich im Vorteil ist, leidet seine Stellung unter dem offenen, bedrohten König und der Abseitsstellung seiner Dame. Andererseits musste Dr. med. Thomas Hoth als Weißer am Zug hier die richtige Abwicklung finden, um die Partie schnell zu gewinnen. Wie kam’s?

Lösung:
Nach 1. exd6! drohten sowohl 2. De7 matt als auch 2. Dxh8+. Auf die plausible Antwort 1. . . . Txd6 nahm Weiß mit 2. Dxh8+ den Turm, wonach Schwarz wegen des unausweichlichen Matts nach 2. . . . Kd7 3. Tg7+ Kc6 4. Da8 matt bereits aufgab. Das gierige 1. Dxh8+ sofort wäre wegen 1. . . . Kd7 (2. Tg7+ Kc8) viel schlechter gewesen.
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