ArchivDeutsches Ärzteblatt15/1997Gesundheitsökonomie: Interdisziplinärer Ansatz

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Gesundheitsökonomie: Interdisziplinärer Ansatz

Clade, Harald

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LNSLNS Mit einem Timelag von rund 15 Jahren gegenüber den USA werden auch in Deutschland zunehmend Forschungsinstitute, Lehreinrichtungen und Studiengänge für Gesundheitsökonomie an speziellen Gesundheitswissenschaftlichen, an Medizinischen oder an Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten gegründet. Etabliert sind bereits spezielle Studiengänge in Public Health und Gesundheitsökonomie an den Universitäten und Hochschulen in Hannover, Düsseldorf, Freiburg, München, Bayreuth, Ulm, Bielefeld, Leipzig und Köln. Zumeist sind die Studiengänge als Postgraduate-Studiengänge konzipiert. Als erstes interdisziplinäres Institut ist Ende Februar 1997 an der Universität zu Köln das Institut für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft (IGMG) aus der Taufe gehoben worden. Das "An-Institut" wird zur Zeit durch die Universität zu Köln zusammen mit der gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung der Gesundheitsökonomik e.V. eingerichtet.


Die Initiatoren des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft (IGMG) an der Universität zu Köln und die Ende 1995 gegründete Gesellschaft zur Förderung der Gesundheitsökonomik Köln e.V. setzten von Anfang an auf Interdisziplinarität und fakultätenübergreifende Zusammenarbeit. Das Institut baut deshalb zwei Bereiche auf, getragen von der Medizinischen Fakultät der Universität und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Ziel ist es, die gemeinsamen Forschungs- und Lehrinteressen beider Fakultäten zu bündeln und Forschungsprojekte mit dem methodischen Rüstzeug beider Disziplinen anzugehen.
Beide Fakultäten haben für das Institut jeweils eine Professur zur Verfügung gestellt. Entsprechend der Interdisziplinarität wird das Institut von zwei Direktoren paritätisch geleitet. Seit Dezember 1996 ist mit der Leitung des Instituts der neu berufene Professor Dr. med. Dr. sc. Karl Wilhelm Lauterbach (34) beauftragt worden. Lauterbach, der an der Medizinischen Fakultät der TH Aachen und an der University of Texas Medizin und im Anschluß daran an der Harvard School of Public Health Epidemiologie und Gesundheitsökonomie studiert hat, war bis zu seinem Antritt in Köln Dozent für Gesundheitssystemforschung und Gesundheitsökonomie (Health Policy and Management) an der Boston University und an der Harvard Medical School in den USA.
Die Berufung des Kodirektors des IGMG ist noch in der Schwebe. Allerdings gab es bereits seit drei Jahren Bemühungen, den Lehrstuhl für Sozialpolitik an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit einem makro- und gesundheitsökonomisch ausgewiesenen Wissenschaftler neu zu besetzen, ein Unterfangen, das trotz renommierter Aspiranten bisher gescheitert ist. Dabei können die beiden Lehrstühle und Seminare für Sozialpolitik an der WiSo-Fakultät auf eine lange sozial- und gesundheitspolitische Forschung und Lehre aufbauen - man denke an den Nestor der deutschen Gesundheitsökonomie, Prof. Dr. rer. pol. Wilfrid Schreiber, seinen Nachfolger auf dem Kölner Lehrstuhl, Prof. Dr. rer. pol. Philipp Herder-Dorneich. Daneben hat sich auch der Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Besondere des Treuhandwesens (Ordinarius und Seminardirektor: Prof. Dr. rer. pol. Günter Sieben, 64) Meriten in der Bearbeitung betriebswirtschaftlicher und krankenhausökonomischer Fragestellungen erworben. Daneben hat seit mehr als 20 Jahren auch der Lehrstuhl für Sozialpolitik I (Ordinarius: Prof. Dr. rer. pol. Dr. rer. pol. h. c. Jürgen Zerche, 58) im Rahmen des Wahlpflichtfaches Sozialpolitiklehre zahlreiche gesundheitsökonomische Vorhaben beackert.
Als ein der Universität angegliedertes Institut ist das IGMG in erster Linie neben der institutionellen Förderung durch das Land auf die Einwerbung von Drittmitteln und die laufende Refinanzierung von Forschungsaufträgen und Projekten sowie auf Zuschüsse des gemeinnützig wirkenden Vereins "Gesellschaft zur Förderung der Gesundheitsökonomik Köln e.V." angewiesen. Die Gesellschaft hat die Anschubfinanzierung übernommen. Gründungsmitglieder der Gesellschaft waren namhafte Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Versicherungswirtschaft, der Verbände der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung, Verbände und Stiftungen der Ärzteschaft sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Möglicherweise stehen diese Konstruktion und die gemischte Finanzierung Pate für weitere den Fakultäten angegliederte Einrichtungen, insbesondere klinische Institutionen, wie Prof. Dr. med. Conrad A. Baldamus, der Dekan der Medizinischen Fakultät, bei der Eröffnung des Instituts betonte. Beispielgebend für eine fruchtbare Kooperation im Kölner universitären Raum ist das Zentrum für Molekularbiologische Medizin, das mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und dessen Lehrstühlen und Instituten kooperiert. Das Institut soll durch seine Verbindung mit der Praxis, der Industrie und den Verbänden auch eine Art "katalytische Wirkung" auf das Verhältnis zwischen "Gesundheitsindustrie", der pharmazeutischen Industrie, der forschenden Klinik, dem ambulanten und stationären Bereich und der Kölner Universitätsklinik entfalten, so Baldamus. Ansätze gebe es bereits in der Arbeitsgruppe Klinische Studien, bei denen das Institut mit dem Institut für Informatik kooperiert.
Die Aufgaben des IGMG:
l Entwicklung von Aus- und Weiterbildungskurrikula im Fach Gesundheitsökonomie und insbesondere in der Qualitätssicherung
l Koordination und Betreuung von Studien in diesen Spezialbereichen
l Konzeption, Durchführung und Evaluation eigener Forschungsprojekte
l Kooperation mit anderen Fakultäten.
In der Vorlaufphase hat das Institut in Zusammenarbeit mit beiden Fakultäten einen Studiengang für Gesundheitsökonomie entwickelt. Voraussichtlich ab Wintersemester 1997/98 wird sowohl das viersemestrige Aufbaustudium für Medizinstudenten und angehende Wirtschaftswissenschaftler angeboten - ebenso wie das sechssemestrige Primärstudium. Das Studium soll mit dem Examen zum DiplomGesundheitsökonomen abgeschlossen werden, eine einmalige und erstmalige akademische Titulatur an deutschen Universitäten. Voraussetzungen für die Zulassung im Primärstudiengang: Fachhochschul- oder Hochschulreife oder abgeschlossene Berufsausbildung als Sozialversicherungsfachangestellter, Verwaltungsangestellter, Krankenpfleger oder ähnliche Berufe. Für das Primärstudium wird grundsätzlich relevante Berufserfahrung vorausgesetzt.
Im Zusatzstudiengang: abgeschlossenes Studium der Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre oder abgeschlossenes Studium der Medizin oder Zahnmedizin.
Das Institut hat in Kooperation mit anderen Kölner Einrichtungen in 11 Spezialsektoren der Medizin gesundheitsökonomische Analysen und Cost-Benefit-Analysen sowie Cost-Effectiveness-Studien gestartet: in der Nuklearmedizin, Radiologie, Medizinischen Statistik und Epidemiologie, Herzchirurgie, Nephrologie, Onkologie, Stoffwechselerkrankungen, Psychosomatik, Neurochirurgie, Kardiologie und Psychiatrie sowie Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Dr. Harald Clade

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