ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2008Statine nutzen allen Diabetikern

AKTUELL: Akut

Statine nutzen allen Diabetikern

Dtsch Arztebl 2008; 105(6): A-248 / B-224 / C-220

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Eine Metaanalyse der britischen Universität Oxford kommt zu dem Ergebnis, dass eine cholesterinsenkende Therapie mit Statinen bei Diabetikern ein Drittel aller Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern kann – und dies unabhängig davon, ob die Cholesterinwerte erhöht sind und ob erste Manifestationen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. Die Umsetzung der im Lancet (2008; 371: 117–25) publizierten Forderung würde den Einsatz von Statinen deutlich erweitern.

Die Cholesterol Treatment Trialists’ Collaborators haben die Ergebnisse von 14 randomisierten Studien zusammengefasst mit Daten zu 18 686 Diabetikern (überwiegend Typ-II-Diabetikern) und 71 370 Nichtdiabetikern, die durchschnittlich 4,3 Jahren lang behandelt wurden. Bei den Nichtdiabetikern senkte die Statintherapie die Gesamtsterblichkeit um 13 Prozent, bei den Diabetikern fiel die Reduktion mit neun Prozent etwas geringer aus. Sie war aber signifikant: Jede Senkung des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l reduzierte die Zahl der schweren vaskulären Ereignisse, also Schlaganfall, Herzinfarkt, Revaskularisierung et cetera, um 21 Prozent.

Empfehlung wäre kosteneffektiv
Der Effekt war ebenso groß wie bei Nichtdiabetikern. Eine Statintherapie senkte die Rate von Herzinfarkten oder koronaren Todesfällen um 22 Prozent (Rate Ratio 0,78, 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,69–0,87), die Häufigkeit von koronaren Revaskularisierungen ging um 25 Prozent (Rate Ratio 0,75; 0,64–0,88) zurück, und die Schlaganfälle nahmen um 21 Prozent ab (Rate Ratio 0,79; 0,67–0,93). Das scheint ein enormer Vorteil zu sein, da aber die Ereignisse relativ selten waren, wurden in den ersten fünf Jahren bei 1 000 Patienten „nur“ 42 schwere vaskuläre Ereignisse vermieden. Die Oxford-Epidemiologen fordern, dass alle Diabetiker mit Statinen behandelt werden sollten, und zwar unabhängig von Alter und Komorbidität. Ausnahmen sehen die Autoren nur bei Patienten mit geringem kardiovaskulärem Risiko (Kinder), oder wenn Kontraindikationen bestehen (Schwangerschaft).

Angesichts der hohen Prävalenz des Typ-II-Diabetes-mellitus würde die Umsetzung dieser Empfehlung hohe Kosten aufwerfen. Nach Schätzungen von Diabetes UK, einer britischen Stiftung, erhalten derzeit nur 60 Prozent aller Diabetiker Statine. Die Autoren halten die Empfehlung jedoch in hohem Maß für kosteneffektiv. Je gewonnenes Lebensjahr müssten nur 2 500 britische Pfund aufgewendet werden. rme
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema