ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2008Arbeitsmarkt für Ärztinnen und Ärzte: Neuer Ausschreibungsrekord 2007

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Arbeitsmarkt für Ärztinnen und Ärzte: Neuer Ausschreibungsrekord 2007

Dtsch Arztebl 2008; 105(6): A-295 / B-267 / C-263

Martin, Wolfgang

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Foto: Fotolia/vasco
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Noch nie wurden so viele Ärztinnen und Ärzte per Stellenanzeige im
Deutschen Ärzteblatt gesucht wie im vergangenem Jahr.

Wieder liegt ein Rekordjahr hinter uns: Im Deutschen Ärzteblatt wurden fast ein Viertel mehr Stellenausschreibungen für Fachärztinnen und Fachärzte veröffentlicht als im Vorjahr. Mit 6 057 waren es doppelt so viele Stellenanzeigen wie noch vor vier Jahren. Damit hat der Ausschreibungsboom nochmals an Fahrt gewonnen. Nach wie vor sind zwei Entwicklungen maßgeblich für den Ausschreibungsboom: Einerseits steigt in den Krankenhäusern der Bedarf an qualifizierten Fachärzten, sowohl durch die Ausweitung des Leistungsspektrums und die zunehmende Spezialisierung als auch durch das Arbeitszeitgesetz. Andererseits rücken zu wenige Ärzte nach.

Der Faktor Ärztemangel spielt inzwischen in immer mehr Bereichen eine entscheidende Rolle. In nahezu allen Fachgebieten ist die Bewerberdecke dünn. Wenn dann sehr viele Krankenhäuser zur selben Zeit dieselben Fachärzte suchen, kann es schnell passieren, dass auf eine Stellenausschreibung überhaupt keine adäquate Bewerbung eingeht. Teilweise hat das bereits jetzt schwerwiegende Folgen, sowohl für die medizinische Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser als auch für die medizinische Versorgung der Bevölkerung.

Die Versorgung ist gefährdet
Mittlerweile häufen sich die Beispiele dafür, dass sich die Situation zugespitzt hat: Wenn sich die Etablierung eines interdisziplinären Darmzentrums verzögert, weil keine Viszeralchirurgen oder Gastroenterologen gefunden werden können, oder wenn der Aufbau einer geriatrischen Fachabteilung daran scheitert, dass keine qualifizierten Fachärzte zur Verfügung stehen, dann läuten in den Krankenhäusern die Alarmglocken. Dringend notwendige Strukturveränderungen, die das Überleben der Häuser gewährleisten sollen, können nicht umgesetzt werden. Wenn Oberarzt-Vakanzen in der Gynäkologie/Geburtshilfe nicht wieder besetzt werden können, kann der Betrieb irgendwann nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Vergleichbares gilt für neurologische Fachabteilungen, wo ebenso wie in der Psychiatrie nicht selten der Punkt erreicht wird, dass die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden kann.

Wenn sich der Bewerbermangel in den Akutkrankenhäusern bereits derart drastisch auswirkt, wie sieht dann die Situation in den außerklinischen Tätigkeitsfeldern aus? Rehakliniken und Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens haben es in direkter Konkurrenz zum Kliniksektor traditionell schwer, ihre Facharztstellen zu besetzen. An der Zahl der Stellenausschreibungen lässt sich ablesen, dass sich diese Situation im letzten Jahr nochmals deutlich verschärft hat. Während die Akutkrankenhäuser hier „nur“ um 18,5 Prozent zulegten, schalteten Rehakliniken 28 Prozent mehr Stellenanzeigen. Die Sozialversicherungsträger schrieben sogar 50 Prozent mehr Gutachterpositionen aus als im Vorjahr. Und auch die Gesundheitsämter suchten wieder überdurchschnittlich viele Fachärzte.

Mit den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ist zudem ein zusätzlicher Akteur in den Wettbewerb um die Fachärzte eingestiegen. So wurden im vergangenen Jahr bereits 219 Angestelltenpositionen in MVZ ausgeschrieben. Wenn man bedenkt, dass in noch größerem Maß Fachärzte zur Niederlassung in MVZ gesucht werden, wird die zunehmende Bedeutung dieses Sektors auch auf dem Stellenmarkt deutlich. Ein weiterer Trend ist hier zu beobachten: Wurden am Anfang eher Fachärzte im Rahmen der Grundversorgung gesucht, eröffnen sich zunehmend auch Perspektiven für Spezialisten. So wurden im Jahr 2007 bereits die ersten Kardiolo-gen, Gastroenterologen, Pneumologen und Hämatologen/Onkologen für ein MVZ gesucht – allesamt Spezialisten, die auch von den Akutkrankenhäusern gesucht werden.

Auch Chefärzte gesucht
Während fast alle Fachgebiete bei den Stellenausschreibungen zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, mussten die Fachärzte in der Thoraxchirurgie (minus 50 Prozent) sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (minus 30 Prozent) ein Minus verkraften. Allerdings war in beiden Fachgebieten die Nachfrage im Vorjahr auch mehr als außergewöhnlich hoch, sodass es sich hier 2007 eher um ein Stück Normalisierung handelte. Überdurchschnittliche Zuwachsraten verzeichneten hingegen die Gastroenterologen, die mit einem Plus von 67 Prozent an der Spitze lagen, gefolgt von den Internisten ohne Schwerpunkt mit plus 63 Prozent und den Fachärzten für Psychosomatische Medizin mit plus 48 Prozent. In den Bereichen Orthopädie/Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie und Kardiologie lagen die Zuwachsraten bei etwa 30 Prozent.

Eine Entwicklung ist neu: Wurden in der Vergangenheit verstärkt frisch gebackene Fachärzte zur Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes sowie Spezialisten für Oberarztpositionen gesucht, blieb die Zahl der Chefarztausschreibungen aus den Akutkrankenhäusern konstant bei rund 550. Im letzten Jahr wurden nun mit 650 erstmals deutlich mehr Leitungspositionen ausgeschrieben als in den Vorjahren. Dies ist ein Zeichen dafür, dass gerade in den großen Fachgebieten im Zuge der Teilung von Abteilungen oder der Etablierung von interdisziplinären Zentren neue Chefarztpositionen geschaffen werden. Zudem hat die Zahl der altersbedingten Ruhestandsnachfolgen zugenommen.

Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de
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