ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2008Forschung: Geringe Grundkenntnisse
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LNSLNS Man muss leider sagen, dass es sich hier nicht um eine solide Untersuchung mit um Objektivität bemühter Auswertung handelt. Die Studie zeugt von geringer Grundkenntnis psychotherapeutischer Möglichkeiten und Zielsetzungen und bleibt handwerklich weit hinter den im Fach üblichen wissenschaftlichen Standards zurück. Alternativhypothesen und andere Erklärungen der Ergebnisse werden nicht einmal erwogen und schon gar nicht diskutiert.
Was die Autoren als geringen Erfolg werten – nämlich, dass die Patienten nach ihrer Psychotherapie nur so gesund wie vorher sind –, würde jeder Fachmann als vollen Erfolg werten, weil mit einer Kurzzeittherapie rea-listischerweise gar nichts anderes als der „Status quo ante“ vor der psychischen Krise erreichbar ist. Auch die im Studiendesign gewählte Vergleichsgruppe war nicht für die Herleitung der Schlussfolgerungen geeignet.
Man muss sich die Frage stellen, was einen renommierten Wissenschaftler wie Prof. Schwartz veranlasst, solch weitreichende Aussagen aufgrund einer derart fragwürdigen Studie zu treffen. Voreingenommenheit ist leider nicht ganz auszuschließen: Immerhin schlug er schon vor Jahren vor, die Psychotherapie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu entfernen und in den „Wellness/Lifestile“-Bereich abzuschieben, weil damit keine ernst zu nehmenden Störungen mit Krankheitswert behandelt würden. Gerade das lässt sich aus seiner Studie allerdings nicht ableiten.
Dr. Frank Roland Deister, Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp), Schwimmbadstraße 22, 79102 Freiburg
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