ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2008Randnotiz: Der Anpfiff macht krank

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Randnotiz: Der Anpfiff macht krank

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Wie man es macht, macht man es verkehrt. Erst heißt es jahrelang, die deutsche Fußballnationalelf spiele zu langweilig. Nun ist deren Spielart zu aufregend. Fußballgucken birgt dramatische Risiken für die Gesundheit – dies fanden Mediziner des Münchner Universitätsklinikums Großhadern heraus und publizierten es im New England Journal of Medicine. Sobald im Juni die Fußball-Europameisterschaft beginnt, werden sich die Fans also nicht nur darüber sorgen, ob die favorisierte Mannschaft gewinnt. Vielmehr müssen sie sich auch um die Gesundheit herzschwacher Verwandter und Freunde Gedanken machen.

Anscheinend steigt bei wichtigen Spielen die Zahl schwerer Herzprobleme unter den Zuschauern dramatisch an. Und das liegt wohl nicht nur an der schlechten Ernährung mit Bier und Chips vor dem Fernseher. Die Einsatzprotokolle von 24 Notarztstationen im Großraum München während der Weltmeisterschaft (WM) 2006 belegten es: Die Aufregung während des Spiels ist zu viel für schwache Herzen.

Verglichen mit weniger aufregenden Zeiträumen vor und nach der WM erlitten die Fans erheblich häufiger Herzinfarkte und Rhythmusstörungen. 3,3-mal so viele Männer und 1,8-mal so viele Frauen mussten einen Notarzt rufen und kamen in eine Klinik. Emotionaler Stress löst also Herzprobleme aus. Dabei kommt es erstaunlicherweise nicht darauf an, ob die Mannschaft gewinnt oder verliert. Die Intensität der Aufregung scheint vielmehr der Schlüssel zu sein. Eine Frage bleibt: Soll man sich jetzt wirklich ein herzschonendes Spiel wünschen? Zumindest ein bisschen Spannung ist doch ganz gut.
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