ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2008Sekundärprävention des Schlaganfalls: Was ist neu? Ungereimtheiten

MEDIZIN: Diskussion

Sekundärprävention des Schlaganfalls: Was ist neu? Ungereimtheiten

Secondary Stroke Prevention - Recent Advances: Inconsistencies

Dtsch Arztebl 2008; 105(7): 128; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0128a

Egidi, Günther

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LNSLNS Die von Herrn Professor Diener aufgeführte Literatur verlangt eine etwas eingehendere Betrachtung.

Die PROGRESS-Studie – 14 % der Patienten wurden a priori gar nicht ausgewertet, weil sie den eingesetzten ACE-Hemmer Perindopril nicht vertrugen – basierte auf einer Hypertoniedefinition von RR >160/90 mmHg. Mir verschließt sich, warum daraus eine Therapieempfehlung für Hypertoniker nach der Definition RR >140/90 mm Hg abgeleitet wird.

Die MOSES-Studie verglich ein Sartan mit Nitrendipin – einem Stoff, für den eine Mortalitätssenkung bei Hypertonikern nicht belegt ist. Trotzdem kam es in der Studie unter Eprosartan numerisch zu mehr Todesfällen. Zudem wurde Nitrendipin in der Studie unterdosiert.

Die Behauptung von Klasseneffekten von Sartanen, die über die reine Blutdrucksenkung hinausgingen, ist inkorrekt. Insbesondere die zitierte LIFE-Studie zeigt ein unterschiedliches Ausmaß der für das Insult-Risiko wesentlichen Blutdrucksenkung. Unter Losartan wurden 49 % der Patienten normotensiv, unter Atenolol nur 46 %.

In der SPARCL-Studie erlitten 1,9 % weniger Patienten unter der Höchstdosis von Atorvastatin einen Insult. Keiner meiner Insultpatienten wäre bereit, bei einer NNT von 52 über fünf Jahre Atorvastatin als zusätzliches Medikament einzunehmen.

Die vom Autor erneut vorgebrachten Dipyridamol-Studien ESPS2 und ESPRIT beruhen auf einem Vergleich mit unterdosierter Acetylsalicylsäure. In der Metaanalyse der „Antithrombotic Trialists’ Collaboration“ hieß es eindeutig, untersucht worden seien ASS-Dosen zwischen 75 und 150 mg – der Wert niedrigerer Dosen sei unklar.

Ich habe die Befürchung, dass die zitierten Ungereimtheiten einen Hinweis auf eine interessensgeleitete Darstellung geben.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0128a

Günther Egidi
Huchtinger Heerstraße 41, 28259 Bremen

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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