ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2008Arztgeschichte: Zwei Schlaganfälle

SCHLUSSPUNKT

Arztgeschichte: Zwei Schlaganfälle

Förster, Helmut

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LNSLNS „Radfahren ist meine Medizin, die hat mein Hausarzt mir verordnet. Seitdem fahre ich regelmäßig Rad.“

Ich hatte zwei Schlaganfälle . . .“, sagt der Mann vor mir auf dem Sitz in der Rikscha, auf deren Rückbank mit gelbem zusammengefaltetem Baldachin ich mich gerade bequem niedergelassen hatte. Nach einer langen Wanderung kam er wie gerufen, die letzten drei Kilometer zum Auto, puh!. . ., wie eine Erlösung von den müden Beinen nahte da die dreirädrige Gelegenheit. Gerade hatte er begonnen, mächtig in die Pedale zu treten, es galt einen leichten Anstieg bei Gegenwind hinaufzuradeln, als er mir sein gesundheitliches Handicap offenbarte. „Nie und nimmer, das kann nicht gut gehen!“, durchzuckte es mich. „Arzt treibt Apoplektiker in den Tod!“, las ich schon. „Halt!“, rief ich energisch, „um Gottes Willen, halten Sie doch an!“ Doch der Mann vor mir strampelte ruhig weiter, drehte seinen Kopf halb nach mir um und meinte ohne Kurzatmigkeit oder Schweißbildung am Haaransatz: „Nun, da machen Sie sich man keine Sorgen, Radfahren ist meine Medizin, die hat mir mein Hausarzt verordnet. Er hat gesagt, wenn du jetzt nichts tust, bekommst du den dritten! Seitdem fahre ich regelmäßig Rad. In einem Jahr habe ich damit 40 Kilo abgenommen, danach noch einmal 30 Kilo. Vorher war ich wirklich ganz schön gut dabei mit meinen gerade 45 Jahren. Nur, nach der Reha war die Arbeit weg! Rente! Zu Hause sitzen, nein, das wollte ich nicht. Also, seitdem mache ich Fahrrad!“ „Und was machen Ihr Herz und Blutdruck?“, frage ich nach. „Blutdruck ganz normal, der ist einfach weg. Ich brauche auch keine Tabletten mehr.“ – „Ja, aber hatten Sie nicht vielleicht Zucker?“, frage ich noch neugieriger. – „Zucker, keine Ahnung, meine Laborwerte sind heute alle im grünen Bereich, sagt mein Hausarzt. ,Radfahren sind deine Tabletten‘, sagt er, ,andere brauchst du nicht!‘ Und wenn ich einmal nicht zum Radfahren komme, was selten vorkommt, dann fühle ich mich gleich ganz unwohl! Also radle ich! Ich bin 49 und will schließlich noch was erleben. Übrigens, ich bin gar kein Rikschafahrer, ich bin Rikschabauer, das ist in Deutschland eine Marktlücke. Die Hinterachse muss immerhin zwei Personen aushalten, also circa 140 Kilogramm, so viel wie ich einmal gewogen habe, und gerade mache ich mit Ihnen die Probefahrt . . .!“
Dr. Helmut Förster
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