ArchivDeutsches Ärzteblatt8/20083 Fragen an… Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

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3 Fragen an… Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Dtsch Arztebl 2008; 105(8): A-374 / B-336 / C-332

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Herr Dr. Müller, haben die KVen bislang genug gegen den Hausärztemangel getan?

Müller: Man sollte danach nicht nur die KVen fragen. Es fängt schon damit an, dass es zu wenig Lehrstühle für Allgemeinmedizin gibt. Wir fordern für jede medizinische Fakultät einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin. Die benötigt man, um Studenten frühzeitig mit dem Fach in Verbindung zu bringen. Darüber hinaus müssen wir eine Diskrepanz im Initiativprogramm zur Sicherstellung der allgemeinmedizinischen Versorgung beseitigen. Wer daran teilnimmt, wird in der Klinik nach Tarif bezahlt, bekommt während der Weiterbildung in der Praxis aber viel weniger Geld. Das muss sich ändern.

Viele finden sowieso: Es braucht in erster Linie mehr Geld und weniger Bürokratie.

Müller: Neben mittelfristigen Programmen benötigt man sicher schnelle Lösungen. Dazu gehört, dass der Beruf des Hausarztes finanziell attraktiver werden muss. Wenn man aber von 2009 an in Euro und Cent kalkulieren kann, wird es hoffentlich auch leichter zu entscheiden, ob man einen Kollegen anstellt oder eine Kollegin weiterbildet.

Etliche KVen bieten in unterversorgten Regionen einiges an, ob Umsatzgarantie oder Startdarlehen. Warum fruchtet das so wenig?

Müller: Viele dieser Angebote sind begrenzt. Wir müssen eine Praxistätigkeit aber wieder langfristig verlässlich machen. Das ist übrigens auch wichtig, wenn man über eine stärkere Einbindung von Gesundheitsfachberufen in die Primärversorgung nachdenkt. Ich halte viel davon, sofern die Hausärzte durch Medizinische Fachangestellte unterstützt werden, die in der Praxis angestellt sind. Dann funktioniert auch die Kommunikation zwischen Arzt, Fachangestellter und Patienten. Es macht aber keinen Sinn, zusätzliche Ebenen einzuführen. Dann wird schnell unklar, wer welche Aufgaben übernehmen soll, und das bewirkt dann auch keine Entlastung eines Arztes bei knappem Zeitbudget. Außerdem besteht die Gefahr, dass dann auf Hausärzte noch mehr Dokumentationspflichten zukommen.
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