ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2008Kinderschutz: Früherkennung und Vernetzung vorantreiben

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Kinderschutz: Früherkennung und Vernetzung vorantreiben

Dtsch Arztebl 2008; 105(8): A-366 / B-330 / C-326

Bühring, Petra

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Foto: dpa
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Jedes Jahr sterben rund 150 Kinder an den Folgen von Gewalt und Vernachlässigung. Nach Schätzungen werden fünf bis zehn Prozent aller Kinder bis sieben Jahre vernachlässigt oder misshandelt. „Bei 70 bis 80 Prozent hätte man bereits um die Geburt herum feststellen können, dass eine Gefährdung vorliegt, und eingreifen können“, erklärte Dr. med. Wilfried Kratzsch, Düsseldorf, Vorsitzender des Stiftungsrats der neuen „Bundesstiftung Kinderzukunftsnetz“, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Bundesstiftung, die sich als unabhängiges interdisziplinäres Netzwerk (Ärzte, Psychologen, Jugendhilfe, Richter, Polizei) versteht, will die auf dem „Kindernotgipfel“ der Ministerpräsidenten am 19. Dezember 2007 beschlossenen Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören vor allem die Früherkennung der belasteten Familien, frühe Hilfen sowie eine bessere Vernetzung und Kooperation der Hilfen.

Bundesweit existierten inzwischen rund 200 Präventionsprojekte zum Kinderschutz, „die aber kaum Kontakt zueinander haben“, kritisierte Kratzsch. Eines davon, das bereits in der 20. Schwangerschaftswoche ansetzt, stellte Dr. med. Karl-Heinz Brisch, Dr. von Haunersches Kinderspital München, vor: „Safe“, ein Trainingsprogramm zur Förderung einer sicheren Bindung, will „die Gewaltspirale durchbrechen“, denn gerade selbst traumatisierte Eltern neigten dazu, ihre Kinder zu schädigen. Brisch wies auf die bisherigen guten Erfahrungen hin. Einen ähnlich frühen Ansatz hat das in Niedersachsen als Modellprojekt gestartete „Pro Kind“, ein aufsuchendes Hausbesuchsprogramm für Schwangere in schwierigen Lebenssituationen, bei dem Familiengesundheitspflegerinnen eingesetzt werden.

Dr. med. Thomas Fischbach, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, wies darauf hin, dass ein verbindliches Einladewesen zu den Früherkennungsuntersuchungen („Us“) sinnvoll, als alleiniges Mittel Kindesmisshandlung jedoch „nicht verhindern, nicht einmal in jedem Fall erkennen lassen kann“. Fischbach setzt deshalb auf Vernetzung, zu der die Bundesstiftung beitragen will.

Einen weiteren Baustein stellte der Kinderarzt Dr. med. Ralf Kownatzki vor: das Pilotprojekt „RISKID, Risiko-Kinder-Informationssystem“, das 2003 in Duisburg gestartet ist. In die Datenbank können Ärzte bei Verdacht auf Kindesmisshandlung sowohl Namen eingeben als auch Informationen erhalten. „Die Datei kann Doctor hopping verhindern.“
Information im Internet unter www. stiftung-kinderzukunftsnetz.de. PB
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