ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2008Glosse: Erheiternde Stilblüten
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Die vierteljährlichen Berichte über die Kontrolle einer seit Jahren großen oder alternativ gar nicht mehr existenten Prostata lösen bei mir allenfalls noch einen leichten Vagusreiz aus. Kopfzerbrechen bereiten mir handschriftliche Befunde, die aus geheimnisvoll-hieroglyphischen Zeichen bestehen, wobei die Zuordnung zu einem Patienten nur dann gelingt, wenn der das Schriftstück selbst überbringt. Maschinengeschrieben habe ich den Kollegen gebeten, uns doch bitte anzurufen, falls auf den Zetteln etwas steht, was wir wirklich wissen sollten. Nicht missen möchte ich die Dreiseiter eines apparatezentrierten Spezialisten, der eine Spracherkennungs-Software sein Eigen nennt und die so generierten Briefe offenbar unbesehen versendet. Sie sind eine solch unschätzbare Fundgrube von erheiternden Stilblüten und lustig-absurden Fehlumsetzungen, dass wir jedem dieser Werke mit freudiger Neugierde (wir haben ja sonst wenig zu lachen) entgegenblicken. Die schönsten Fehlleistungen schneiden wir aus, denn sie verdienen es, abgeheftet zu werden. Der Rest wird gnadenlos eingescannt und in der unendlichen Tiefe der Festplatte bestattet. Schlank und wirklich übersichtlich sind jene kleinen Zettel, aus denen harte geistige Arbeit abzulesen ist: Hinter der Floskel „Vorsorgeuntersuchung o. B.“ befindet sich ein alternativloses Kästchen – und das ist angekreuzt (eigenhändig-handschriftlich-authentisch!). Der Kollege Böhmeke möchte uns Hausärzten, die wir ja in der Regel Empfänger des ganzen Schrotts sind, dankenswerterweise „Zeit, Gehirn und Nerven“ sparen helfen. Leider sind die meisten dieser Berichte nur Zeugnis der allenthalben grassierenden „Kontrollitis“ und Redundanzmedizin. Das beste Mittel dagegen wäre das Weglassen des überflüssigen Medizin-Aktionismus . . .

Dr. med. Rudolf Mengersen, Westerbachstraße 40, 37671 Höxter
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