ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2008Börsebius: Die Eier legende Wollmilchsau

GELDANLAGE

Börsebius: Die Eier legende Wollmilchsau

Dtsch Arztebl 2008; 105(8): A-408 / B-364 / C-360

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Nachstehende Zeilen, die ich jüngst erhalten habe, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: „Lieber Gevatter Börsebius, immer wieder gelingt es Ihnen, Ihre Leser zu desillusionieren. Immer wieder finden Sie ein Haar in der Suppe der Finanzangebote. Aber jetzt ist mir eins ins Haus geschneit, wo auch Sie nichts mehr kritisieren können. Da machen Sie Augen, was?“

Dem originellen Brief war ein Prospekt der „Apano Finanzanlagen“ beigelegt, in dem ein aus der Sicht des Briefschreibers offenbar sehr lukratives Produkt namens „Apano AP-Garant 2“ beworben wurde. Auf dem Papier liest sich das auch alles ganz prima.

Bei dem Finanzprodukt handelt sich um ein „Garantiezertifikat“, bei dem der Kunde sowohl von fallenden als auch steigenden Märkten profitieren kann, sein Geld mit einem Kapitalschutz von 120 Prozent ausgestattet ist und darüber hinaus mit durchschnittlich zwölf bis 15 Prozent per annum überaus attraktiv verzinst wird. Donnerwetter, da mache ich in der Tat Augen, große zumal.

Der schöne Schein hält für meinen Geschmack gleichwohl nicht so lange an. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Apano GmbH in Dortmund lediglich ein Finanzdienstleistungsinstitut ist, welches Kundenaufträge für Wertpapiergeschäfte im hochriskanten Hedgefondsmarkt nur vermittelt. Wenn ein Produkt mal nicht so läuft wie versprochen, könnte sich Apano vergleichsweise einfach mit Hinweis auf die Schuld anderer aus der Affäre ziehen.

Wenn Renditeangaben im zweistelligen Prozentbereich genannt werden, regt sich bei mir stets intensives Misstrauen. Ich habe schon einmal geschrieben, dass ein Anbieter, der mehr als sechs Prozent verspricht, mindestens ein Schwätzer ist, aber bei mehr als zehn Prozent eher ein Scharlatan zu vermuten wäre. Nur gut, dass die Apano in ihrem Prospekt die Renditeaussage bereits im Kleingedruckten relativiert. „. . . die errechnete Zielrendite . . . kann sich daher ändern.“ Ändern? Auf null, auf minus vier, auf minus 20, auf was sonst noch. Wenn ich hinten Renditen infrage stelle, brauche ich vorne nicht damit zu werben.

Ach ja, da war ja noch der Kapitalschutz von 120 Prozent. Den gibt es in zeitlich dreigestaffelter Form. Meine Investition (abzüglich Agio, fünf bis sechs Prozent) ist (in der längsten Form) zum Laufzeitende am 15. Februar 2023 mit 120 Prozent abgesichert. Toll. Solche Versprechen kann ich auch abgeben. Ich leihe mir von Ihnen 100 000 Euro und garantiere Ihnen, dass ich Ihnen nach knapp 15 Jahren 120 000 Euro zurückgäbe. Da würden Sie mir aber was husten, selbst als Gevatter.
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