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ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2008SUBSTANZUNGEBUNDENE SÜCHTE: Klassifikation als „Verhaltenssucht“?

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SUBSTANZUNGEBUNDENE SÜCHTE: Klassifikation als „Verhaltenssucht“?

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LNSLNS Nicht substanzgebundene Süchte, wie exzessives Kaufen, Spielen, Sporttreiben, Arbeiten oder Computernutzen, befinden sich definitorisch nach wie vor in einer Grauzone. Gemäß gängiger Klassifikationssysteme werden sie unter anderem in die Gruppen der „Impulskontrollstörungen“ oder der „Zwangsstörungen“ eingeordnet, obwohl sie hinsichtlich einiger Kriterien nicht mit diesen Erkrankungen übereinstimmen. So ist beispielsweise bei Verhaltenssüchten im Gegensatz zu Impulskontrollstörungen eine Toleranzentwicklung und eine Zentrierung der Lebensinhalte um das Suchtmittel zu beobachten. Zwangshandlungen werden im Gegensatz zu Verhaltenssüchten nicht als angenehm empfunden, nicht lange vorbereitet und teilweise unmittelbar stereotyp wiederholt.
Aufgrund dieses unbefriedigenden Zustands regen Psychologen der Universitäten Aachen, Berlin und Bonn und jetzt an, diese Süchte unter dem Begriff „Verhaltenssucht“ zusammenzufassen und sie eventuell als eigenständige diagnostische Einheit zu behandeln.
Die Vorteile einer neuen Klassifikation „Verhaltenssucht“ liegen in einer vereinfachten Diagnosestellung und in der Möglichkeit, gezieltere präventive, rückfallprophylaktische und Therapiemaßnahmen abzuleiten. „Die Einordnung exzessiver Verhaltensweisen als Verhaltenssucht birgt jedoch die Gefahr eines inflationären Gebrauchs des Begriffs“, warnen die Autoren und fordern aus diesem Grund klare diagnostische Kriterien. ms

Grüsser SM, Poppelreuter S, Heinz A, Albrecht U, Saß H: Verhaltenssucht – eine eigenständige diagnostische Einheit? Nervenarzt 2007; 78(9): 997–1002.
Interdisziplinäre Suchtforschungsgruppe Berlin, Institut für Medizinische Psychologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Tucholskystraße 2, 10117 Berlin
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