ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2008Ärztenetzwerke im Web: Profitieren von der Gemeinschaft

Supplement: PRAXiS

Ärztenetzwerke im Web: Profitieren von der Gemeinschaft

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): [7]

Krüger-Brand, Heike E.

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Foto: Fotolia/Rodriguez
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Analog zu bekannten Onlinekontaktbörsen und Businessnetzwerken wie Xing oder Linkedin gibt es inzwischen auch Expertenportale für Ärzte im Internet.

Die Erkenntnis, dass viele Experten Probleme und Aufgaben besser lösen als ein Einzelner oder eine kleine Gruppe, ist nicht neu. Allerdings hat erst das Internet entscheidend dazu beigetragen, dass sich diese Erkenntnis mit einfachen Mitteln in großem Ausmaß praktisch umsetzen lässt. Virtuelle soziale Netzwerke für die Berufswelt sind daher gefragt. Sie dienen den verschiedensten Berufsgruppen (ebenso wie Studierenden und Schülern) zur Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit. Allmählich scheinen auch die Ärzte auf den Geschmack zu kommen. Gleich mehrere Kontaktportale für Ärzte sind innerhalb des letzten Jahres gestartet und werben um Mitglieder, die über diese Plattformen exklusive Gemeinschaften aufbauen und ihre Kontakte verwalten und pflegen können. Finanziert werden die Netzwerke in der Regel über Werbung oder kostenpflichtige Accounts.

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Dooox: www.dooox.de
Seit September 2006 bietet das kostenpflichtige Kontaktportal Dooox Ärzten und anderen im medizinischen Umfeld tätigen Personen die Möglichkeit, sich interdisziplinär auszutauschen. Neben der Kommunikation in moderierten Foren sind Informationen über wissenschaftliche Recherche-Datenbanken, Veröffentlichungen und Presseberichte abrufbar. Die Zusammenarbeit wird durch zusätzliche geschlossene Mitgliederportale, etwa für Verbände, unterstützt. Die registrierten Mitglieder können darüber hinaus auf betriebswirtschaftliche und juristische Informationen, Downloads, Onlineschulungen und -kongresse zugreifen und das eigene Netzwerk durch den Kontakt mit Kollegen erweitern.
Das werbefreie Portal kostet 99 Euro pro Jahr, Medizinstudierende zahlen nichts.

Merel-Club: www.merel-club.com
Der Merel-Club wurde im Mai 2007 von Ärzten und Wissenschaftlern als ein unabhängiges Netzwerk gestartet, das speziell auf die Bedürfnisse dieser akademischen Gruppe zugeschnitten ist. Das Angebot betont den Gedanken der Internationalität: Ärzte sollen über das Web dabei unterstützt werden, „internationale Synergien“ zu entwickeln. Registrierte Nutzer können ein persönliches Profil einschließlich eines Fotos veröffentlichen. Das Profil kann unter anderem eine kurze Darstellung des Fachwissens und der Spezialgebiete sowie der persönlichen Interessen enthalten. Das „Podium“ bietet die Möglichkeit, Fälle und Publikationen auf überregionaler und internationaler Ebene zu besprechen. Dort können Ärzte ihre Fälle online stellen und sich die Meinung von Kollegen einholen. Dabei können sie entscheiden, ob sämtliche Mitglieder teilnehmen dürfen oder ob die Teilnahme zur betreffenden Falldiskussion nur auf Einladung möglich ist. Mit einer Kalenderfunktion kann man sich nicht nur über aktuelle Kongresse informieren, sondern sich zusätzlich auf der Teilnehmerliste eintragen, das Profil der anderen eingetragenen Teilnehmer ansehen und gegebenenfalls Kontakt aufnehmen. Im Forum können sich die Ärzte innerhalb ihres Fachbereichs interdisziplinär oder international mit ärztlichen Kollegen austauschen. Das Angebot ist in Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch verfügbar. Damit folgt der Merel-Club seiner Vision einer internationalen und vielsprachigen wissenschaftlichen Gemeinschaft. Mehr als 300 Mediziner aus zehn Ländern sind inzwischen Mitglieder.
Die Registrierung ist kostenfrei und ausschließlich Medizinern gestattet. Bislang lebt der Club von den Investitionen und dem Engagement der Betreiber.

Coliquio: www.coliquio.de
Die kosten- und werbefreie Kommunikationsplattform können ebenfalls nur approbierte Ärztinnen und Ärzte nutzen. Sie ist aus einem Forschungsprojekt der Hochschule Konstanz entstanden und wird über eine Hochschulkooperation mit der Hochschule für Technik, Wissenschaft und Gestaltung in Konstanz gefördert. Ziel von Coliquio ist es nach Auskunft der Betreiber, „die medizinische Qualität und Patientensicherheit durch gezielten und schnellen Austausch von Erfahrungen und Wissen zu verbessern“. Unterteilt in medizinische Fachbereiche können Fragen zu Diagnose und Therapie erörtert sowie neue Behandlungs- und Forschungserkenntnisse im Kollegenkreis ausgetauscht werden. Anfang Oktober 2007 hat das Portal den Betrieb aufgenommen und bereits nach vier Wochen waren mehr als 400 Mitglieder registriert. Es umfasst ein interaktives Diskussions- und Meinungsforum, über das die Nutzer auf einen Kollegenpool zugreifen können, um bei Fragen von Lösungsvorschlägen und Kommentaren von der Gemeinschaft zu profitieren. Über ein anonymes Berichtssystem können darüber hinaus kritische Zwischenfälle erfasst und ausgewertet werden (CIRS – Critical Incident Reporting System). Dies soll dazu beitragen, Schwachstellen in Einrichtungen und Prozessen aufzudecken.

Esanum: www.esanum.de
Die nicht kommerzielle Expertenplattform Esanum hat sich als Motto „communio adiuvat“ (die Gemeinschaft hilft) gewählt: Approbierte Ärzte aller Fachrichtungen sollen mit Hunderten Kollegen zeitgleich in Kontakt treten und ihr Wissen teilen. Zugelassene Ärzte können auf der Plattform Fälle und Beobachtungen aus der Praxis diskutieren und neue Erkenntnisse über Medikamente, Geräte und Therapien austauschen. Nach kostenfreier Registrierung und Authentifizierung können Ärzte Beiträge verfassen, in denen sie Beobachtungen mitteilen oder um Rat fragen. Andere Mitglieder antworten darauf in Kommentaren und können mittels eines 5-Sterne-Systems die Relevanz und Qualität des Beitrags für die Gemeinschaft bewerten. Auch Abstimmungen über Behandlungsvarianten sind möglich. Wer ein „Doccheck“-Passwort hat, kann sich direkt einloggen und die Plattform im vollem Funktionsumfang nutzen. Sonst muss man zunächst ein Registrierungsformular ausfüllen und eine Kopie der Approbationsurkunde oder des Arztausweises zufaxen, um sich zu authentifizieren. Wer will, darf statt seines richtigen Namens auch ein Pseudonym benutzen. Das Projekt wurde von Dr. med. Bodo Müller, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes-Klinikum Berlin-Hellersdorf, entwickelt und umgesetzt. Unterstützt wird er von Studierenden im Rahmen ihres Praxissemesters.
Langfristig soll das Geld zum Betrieb der Onlineplattform dadurch verdient werden, dass das angesammelte Wissen medizinischen Fachverlagen entgeltlich zur Verfügung gestellt wird oder Fördermittel gewonnen werden.

Doccheck Faces: www.faces.doccheck.com
Der Netzwerkservice für registrierte Nutzer des Medizinportals Doccheck dient der Vermittlung von Kontakten und dem Aufbau persönlicher Netzwerke. Der Service wendet sich an Fachkreise (wie Ärzte, Apotheker, Medizinstudierende), sodass nur freigeschaltete Nutzer eigene Profilseiten erstellen können. Für jeden Abschnitt seines Profils kann man per Auswahlmenü festlegen, welche Nutzergruppe die Daten zu sehen bekommt: niemand (nur der Profilinhaber), ausschließlich bestätigte Kontakte, nur eingeloggte Doccheck-Nutzer oder alle Benutzer (diese Daten sind öffentlich). Per Knopfdruck kann jeder entscheiden, ob er einen Kontaktwunsch annehmen oder ablehnen will. Erst wenn beide Seiten den Kontakt bestätigt haben, ist die wechselseitige Netzwerkverbindung aktiv, und jeder kann die Daten des anderen sehen. Sämtliche Daten können mit individuellen Sichtbarkeitseinstellungen versehen werden. So lässt sich beispielsweise einstellen, dass die Praxisadresse öffentlich, die dienstliche E-Mail-Adresse für Kollegen nur mit gültigem Passwort des Medizinportals sichtbar ist und private Kontaktdaten nur Freunde und Bekannte sehen dürfen. Künftig soll das Portal mit der Jobbörse des Anbieters integriert werden. Heike E. Krüger-Brand

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