ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2008Ärztenetzwerk Solimed: Schneller Informationsaustausch

Supplement: PRAXiS

Ärztenetzwerk Solimed: Schneller Informationsaustausch

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): [14]

Krüger-Brand, Heike E.

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Foto: Mauritius
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Seit Anfang 2008 setzt ein ärztliches Gesundheitsnetz in Solingen auf neue Kommunikationswege bei der medizinischen Betreuung seiner Patienten.

Sind Patienten bei mehreren Ärzten oder zusätzlich stationär in Behandlung, kommt es immer wieder zu Informationsproblemen – sei es, dass wichtige Röntgenbilder, Blutuntersuchungen oder Vorbefunde anderer Ärzte fehlen, oder dass der Patient die Namen seiner aktuellen Medikamente nicht angeben kann. Oftmals führen diese Mängel zu Verzögerungen bei Untersuchungen, zu Doppelverordnungen und mitunter auch zu fehlerhaften Therapien. Im Raum Solingen will das Ärztenetz Solimed – Unternehmen Gesundheit diese Situation jetzt verbessern (Internet: www.solimed-ug.de). Das Netz ist aus einem 2004 gegründeten Verein hervorgegangen, der eigene Ansätze zur Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung entwickelt und umsetzt, wie etwa eine Gesundheitsakademie, die Informationsveranstaltungen zusammen mit der Volkshochschule Solingen-Wuppertal organisiert.

Seit Mitte Januar 2008 können sich Patienten der beteiligten Ärzte als Netzpatienten einschreiben. Jeder registrierte Patient stellt sich sein persönliches Gesundheitsteam in Praxis und Krankenhaus zusammen. Nur diese Ärzte tauschen jeweils medizinische Daten und wichtige Hinweise, beispielsweise auf Allergien, elektronisch untereinander aus. Die an einer Behandlung beteiligten Ärzte können die Therapie optimal abstimmen und behandlungsrelevante Informationen zeitnah austauschen (Kasten). Zentrale technische Voraussetzungen hierfür sind ein Kommunikationsserver, eine Netzsoftware sowie eine einheitliche Praxisverwaltungssoftware. Die Verpflichtung auf ein System vereinfacht die organisatorisch-technische Realisierung zwar erheblich. Gleichzeitig stellt dies aber auch die größte Einschränkung des Modells und eine hohe Akzeptanzhürde dar für Ärzte, die mit einer anderen Praxissoftware arbeiten, denn dadurch bleibt das Modell letztlich eine Insellösung.

Allerdings lässt sich durch die Verwendung einer netzeinheitlichen Praxissoftware der Therapieerfolg einfacher transparent machen, denn der EDV-Abgleich ermöglicht ein Controlling und Benchmarking der Netzärzte und in der Folge eine permanente Verbesserung der Qualitätsstandards und der Behandlungsabläufe. Darüber hinaus können Verwaltungsaufgaben und bürokratische Belastungen der Netzärzte verringert werden. Zurzeit arbeiten 60 Ärzte und drei Krankenhäuser in dem Versorgungsnetz mit.

Ein weiteres Kernelement des Projekts ist die Erarbeitung und Einbindung eigener Behandlungspfade und Leitlinien. Durch die enge Zusammenarbeit der Netz- und Klinikärzte nach standardisierten Leitlinien wird die Behandlung durch einen „roten Faden“ für alle Beteiligten nachvollziehbar. Dies ist beispielsweise für die Medikamententherapie wichtig. So erleben Patienten an den Schnittstellen von Haus- und Facharzt beziehungsweise von ambulantem und stationärem Sektor oder in der Apotheke häufig eine Änderung ihrer medikamentösen Therapie. Durch einheitliche Behandlungspfade soll dies künftig vermieden werden. Dadurch können die Compliance und Mitarbeit der Patienten verbessert und unnötige Kosten vermieden werden.

Derzeit verhandelt das Gesundheitsnetz mit mehreren Krankenkassen, um noch weitergehende Kooperationsmöglichkeiten für Patienten, Ärzte und Krankenhäuser zu schaffen. So sollen die Patienten stärker eingebunden und beispielsweise Schulungs- und Betreuungsmöglichkeiten bei chronischen Erkrankungen wie Rückenleiden und Diabetes angeboten werden. Heike E. Krüger-Brand


Ablauf der Kommunikation
Beim Besuch des Hausarztes („Betreuungssarzt“) schreibt sich der Patient als Netzpatient ein. Aus den Daten der Versichertenkarte wird ein Hashcode (eine Art Quersumme über eine digitale Datenmenge) erzeugt, der über den Hashcode-Server im dezentralen elektronischen Netz registriert wird. Bei einer Überweisung zum Facharzt kann dieser über das Einlesen der Versichertenkarte den Patienten als akkreditierten Netzpatienten identifizieren. Über das Arztinformationssystem MCS-Isynet und die Netzsoftware Comdox wird per ISDN der Server der Firma PDE/Comdox in Dorsten kontaktiert, um die Richtigkeit der Angaben zu bestätigen. Dabei gelangen keine personenbezogenen Daten auf den Kommunikationsserver, sondern nur Hashwerte. Der Server überträgt an die Praxis des Facharztes Daten, die für die Aufnahme einer bilateralen Kommunikation erforderlich sind. Der Betreuungsarzt wird automatisiert informiert, dass der Facharzt Teil des individuellen Patientennetzes ist. Der PC des Facharztes kontaktiert per ISDN den PC des Hausarztes und fordert dort die Daten zum Patienten an. Über den Haschcode-Server sind die Daten freigegeben und werden per Standleitung an den Facharzt versandt.

Der Facharzt dokumentiert seinen Befund in seiner Praxissoftware und erstellt den Arztbrief. Das Praxisverwaltungssystem übermittelt die Befunddaten an die Netzsoftware, die den Befund automatisiert an den Hausarzt sendet. So haben alle Netzärzte sämtliche erforderlichen Patientendaten unmittelbar in ihrer elektronischen Karteikarte vorliegen.
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