ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2008Insulinanaloga: Mehrkosten nicht zulasten der Krankenkassen

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Insulinanaloga: Mehrkosten nicht zulasten der Krankenkassen

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): A-428 / B-384 / C-380

Richter-Kuhlmann, Eva

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Foto: dpa
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Vertragärzte können kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung von Typ-I-Diabetikern künftig nur dann noch zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) verordnen, wenn sie nicht teurer sind als Humaninsulin. Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) bekannt gegeben. Damit setzt der G-BA eine entsprechende Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu kurzwirksamen Insulinanaloga bei Diabetes mellitus Typ I um. Diese hatte keinen Zusatznutzen für die Insulinanaloga ergeben, der den höheren Preis rechtfertigt.

„Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ I ist mit Humaninsulin grundsätzlich ebenso zweckmäßig und erfolgreich wie mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon“, sagte Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des G-BA. Gleichzeitig verwies er auf Ausnahmesituationen, in denen kurzwirksame Insulinanaloga auch weiterhin zulasten der GKV verordnet werden können. Zu ihnen zählen allergische Reaktionen auf Humaninsulin sowie fehlgeschlagene Versuche in der Vergangenheit, eine stabile adäquate Stoffwechsellage mit Humaninsulin zu erreichen. Die Ausnahmen gelten ohne Einschränkung für alle Patienten, auch für Kinder und Jugendliche.

Sollten die Pharmaunternehmen infolge des G-BA-Beschlusses künftig die Preise für die Insulinanaloga auf das Niveau von Humaninsulin absenken, wären sie umgehend ohne weiteren Beschluss des G-BA voll zulasten der GKV verordnungsfähig, ergänzte Hess. Dies gelte jedoch nur, wenn die Insulinanaloga auch künftig als medizinisch unbedenklich eingestuft werden könnten.

Daran gibt es offensichtlich Zweifel. Pharmafirmen hätten dem IQWiG die Vorlage von relevanten Studien verweigert, erläuterte der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. med. Peter Sawicki. Es gebe Hinweise darauf, dass in ihnen eine erhöhte Nebenwirkungsrate, nämlich eine zwei- bis dreifach erhöhte Häufigkeit von Ketoazidosen unter der Therapie mit bestimmten Insulinanaloga beschrieben werde. Diesem Verdacht will der G-BA nachgehen. ER
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