ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2008Ärzteschach: Grande Dame des Ärzteschachs

SCHLUSSPUNKT

Ärzteschach: Grande Dame des Ärzteschachs

Dtsch Arztebl 2008; 105(9): [128]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Die „Apotheken Umschau“ teilte mit, dass Deutschlands Männer gern Schach spielen: Jeder dritte beschäftigt sich hin und wieder mit König, Dame und Bauer, bei den Frauen ist es hingegen nicht einmal jede achte. Liegt es vielleicht daran, dass es diesen am „Sitzfleisch“ ermangelt oder wie der ehemalige Weltmeister Karpow sagte: „Frauen können nicht stundenlang ruhig dasitzen“? Wohl nein, immerhin lösen 60 bis 80 Prozent regelmäßig Kreuzworträtsel oder Quizfragen, legt fast jede zweite Puzzles oder spielt „Memory“, um sich laut derselben Quelle „geistig auf Trab zu halten. Haben Frauen auf Schach vielleicht weniger Lust, weil ihre Fähigkeiten „aufgrund biologischer Unterschiede“ (Kasparow) dafür geringer sind oder weil ihnen der „Killerinstinkt“ (Spassky) fehlt? Dumm nur, dass Ersterer in Moskau von Judit Polgar „eingemacht“ und Letzterer gar einen Wettkampf gegen sie verlor, um ihr danach zu bescheinigen, sie habe „männlich“ gespielt.

Apropos männlich. Das weibliche Gehirn sei leichter als das männliche und daher weniger leistungsfähig, schrieb der Münchner Medizinprofessor Theodor von Bischoff 1872 in einer Streitschrift. Auch hieß es, Frauen würden den Wissenschaftsbetrieb verweichlichen. Die Männlichkeit der Studenten sei in Gefahr, schrieb die Bayerische Landeszeitung 1900, „insofern als sie vor lauter Rücksichten auf das weibliche Geschlecht zu duldenden Eunuchen werden“. Und in einem Gutachten über die Befähigung der Frau zum Medizinstudium war zu lesen: „Eine Frau, die über die Anatomie der Geschlechtsteile des Mannes ohne Erröten sprechen kann, wird den Mann immer abstoßen.“ Inzwischen ist es wohl so, dass Frauen für ihr Studium im Schnitt zwei Semester weniger benötigen und mit besseren Noten als ihre Kommilitonen abschließen.

Also sollte gar, horribile dictu, Schach den Frauen schlichtweg zu langweilig, um nicht zu sagen stumpfsinnig sein?
„Ein Mensch sitzt da, ein schläfrig trüber,
ein anderer sitzt ihm gegenüber,
sie reden nichts, sie sitzen stumm,
mein Gott, denkst du, sind die zwei dumm.
Der eine brummt, wie nebenbei,
ganz langsam, Turm a sechs a zwei,
der andere wird allmählich wach
und knurrt: Turm e drei d drei Schach!
Der erste, weiter nicht erregt, starrt vor sich hin und überlegt,
dann plötzlich, vor Erstaunen platt,
seufzt er ein einzig Wörtlein: Matt.
Und die du hieltst für niedre Geister –
erkennst du jetzt als hohe Meister!
Eugen Roth
Beim Deutschen Ärzteturnier jedenfalls sind alle Männer – oft sogar ihre „Opfer“ am Schachbrett – froh, dass Frau Dr. med. Utta Recknagel Jahr für Jahr die kleine Schar ihrer Mitstreiterinnen anführt und mit Noblesse am und jenseits des Bretts agiert. La Grande Dame des Ärzteschachs! Leider habe ich kein Beispiel ihrer etlichen Siege vom letzten Turnier, deshalb ein Beispiel von 2006.

Als Weiße am Zug gewann sie aufgrund ihrer überlegenen Stellung schließlich auch, doch hätte sie – ohne die vermaledeite Zeitnot – mit einer hübschen (Opfer-)Kombination die Partie noch schneller beenden können. Wie?
Lösung: Das Turmopfer 1. Tc8+! hätte dem schwarzen König die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Ablehnung der zweifelhaften Gabe mit 1. . . . Kd7 verbietet sich wegen 2. Txh8. Also bleibt nur die Annahme durch 1. . . .Kxc8, wonach aber die Springergabel 2. Sxe7+ auch noch den Turm g6 erobert und Weiß insgesamt einen fetten Springer mehr beschert. Wer gibt, dem wird gegeben werden!
Lösung: Das Turmopfer 1. Tc8+! hätte dem schwarzen König die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Ablehnung der zweifelhaften Gabe mit 1. . . . Kd7 verbietet sich wegen 2. Txh8. Also bleibt nur die Annahme durch 1. . . .Kxc8, wonach aber die Springergabel 2. Sxe7+ auch noch den Turm g6 erobert und Weiß insgesamt einen fetten Springer mehr beschert. Wer gibt, dem wird gegeben werden!

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