ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Berufsverband Deutscher Internisten: „Wir dürfen nicht gegeneinander arbeiten“

POLITIK

Berufsverband Deutscher Internisten: „Wir dürfen nicht gegeneinander arbeiten“

Dtsch Arztebl 2008; 105(10): A-502 / B-455 / C-443

Korzilius, Heike

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Höhepunkt für die Internisten: Der Ärztetag führte im vergangenen Mai den Allgemein- Internisten wieder ein. Foto: Jürgen Gebhardt
Höhepunkt für die Internisten: Der Ärztetag führte im vergangenen Mai den Allgemein- Internisten wieder ein. Foto: Jürgen Gebhardt
Der Vorstand des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) spricht sich gegen eine Zersplitterung der Versorgungslandschaft durch eine Vielzahl von Einzelverträgen aus.

Die Vertragsärztinnen und -ärzte erleben stürmische Zeiten. In Baden-Württemberg haben sich der dortige Hausärzteverband und der Ärzteverband Medi für einen „sanften“ Ausstieg aus dem Kollektivvertragssystem entschieden. Sie verhandeln mit der AOK über einen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bleibt außen vor. Die bayerischen Hausärzte versuchen es auf die harte Tour und drohen mit der kollektiven Rückgabe ihrer Kassenzulassung. Die Gründe sind in beiden Fällen ähnlich: Eine überbordende Bürokratie sowie die unsichere und unbefriedigende Honorarsituation lassen die Ärztinnen und Ärzte zu drastischen Maßnahmen greifen.

Sicherheit im Kollektivvertrag
„2009 wird ein dramatisches Jahr. Die Probleme köcheln“, sagt dazu BDI-Präsident Dr. med. Wolfgang Wesiack. Er kann die Frustration seiner Kollegen verstehen, warnt aber davor, wegen kurzfristiger Vorteile die Sicherheit, die der Kollektivvertrag bietet, aufs Spiel zu setzen. Mit Blick auf die flächendeckende Versorgung und den ordnungspolitischen Rahmen habe das System seine gute Seiten. „Vom Prinzip her stehe ich zu den KVen“, betont Wesiack. „Allerdings haben viele das Vertrauen ihrer Mitglieder durch hausgemachte Fehler, eine intransparente Politik und die völlig unterschiedlichen Regelungen der Honorarverteilung verloren.“

„Sicherheit gibt es nur durch Kollektivverträge“, sagt auch Dr. med. Wolf von Römer. „Diese muss nicht die KV schließen, aber es gibt zurzeit keine Alternative“, räumt der erste Vizepräsident des BDI ein. Er hält allerdings nichts davon, die Politik ins Wartezimmer zu tragen. „Die Patienten sind ohnehin schon stark verunsichert“, sagt der hausärztlich tätige Internist aus München. Um der berechtigten Kritik der Ärzte an ihren Arbeitsbedingungen und ihrer Honorarsituation Gehör zu verschaffen, setzt er auf öffentliche Veranstaltungen und Medienarbeit.

BDI-Präsident Wesiack appelliert zugleich an die Kollegen: „Wir dürfen nicht gegeneinander arbeiten.“ Es sei gelungen, verbandsintern Friedensgrenzen zwischen den unterschiedlichen internistischen Disziplinen zu finden. Das müsse nun auch nach außen gelingen. Es gelte, mit Körperschaften, Verbänden und dem Marburger Bund zu kooperieren, „ansonsten wird der Arzt zwischen staatlichem System und privatem Markt zerrieben“.

Wesiack, von Römer und der zweite Vizepräsident des BDI, Prof. Dr. med. Malte Ludwig, nutzten ein Pressegespräch am 28. Februar in Wiesbaden aber auch, um am Ende ihrer Wahlperiode Bilanz zu ziehen. „Einer der Höhepunkte unserer Amtszeit war die Wiedereinführung des Facharztes für Innere Medizin“, sagt Wesiack. „Damit haben wir die Einheit der Inneren Medizin bewahrt.“ Der BDI-Präsident betont jedoch ausdrücklich: „Der Allgemein-Internist bleibt auf die stationäre Versorgung beschränkt und stellt keine Konkurrenz für die Hausärzte dar.“

Suche nach Einheitlichkeit
Im Mai 2007 hatte der Deutsche Ärztetag in Münster den Facharzt für Innere Medizin wieder eingeführt und damit einen Beschluss aus dem Jahr 2003 rückgängig gemacht. EU-rechtliche Vorgaben erforderten diesen Schritt. Die EU-Kommission hatte kritisiert, dass die Weiterbildungsnovelle in den Lan­des­ärz­te­kam­mern nicht einheitlich umgesetzt worden sei.

Doch auch der Beschluss von Münster führte bislang nicht zu einer einheitlichen Lösung. Im November 2007 sprach sich die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg gegen die Wiedereinführung des Allgemein-Internisten aus, während kurz zuvor die Ärztekammer Berlin den Facharzt für Allgemeinmedizin wieder eingeführt hatte. Das gemeinsame Gebiet Innere und Allgemeinmedizin gibt es dort nicht mehr.

Wie die Geschichte weitergeht, ist offen. Nur so viel: „Die Lan­des­ärz­te­kam­mern wissen, dass wir eine einheitliche Entscheidung brauchen. Sonst macht es die Politik“, betont von Römer.
Heike Korzilius
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