ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Renate Hess: Liebenswürdige Kämpferin

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Renate Hess: Liebenswürdige Kämpferin

Dtsch Arztebl 2008; 105(10): A-525 / B-473 / C-461

Jachertz, Norbert

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Renate Hess Foto: Georg Lopata
Renate Hess Foto: Georg Lopata
Nach 37 Jahren verlässt Renate Hess die Bundes­ärzte­kammer. Sie geht mit 63 Jahren in den Ruhestand. Wenn auch nicht so ganz. Alle, die mit ihr zu tun hatten, freuen sich, ihr zumindest in der Hans-Neuffer-Stiftung noch begegnen zu können.

Hess leitete bei der Bundes­ärzte­kammer ein Dezernat, das sich in erster Linie mit ärztlichen Honorarfragen beschäftigte; im Mittelpunkt stand die Ärztliche Gebührenordnung (GOÄ). Außerdem führte sie die Geschäfte der Deutschen Akademie für Allgemeinmedizin und der Deutschen Akademie der Gebietsärzte; dabei handelt es sich um zwei unmittelbar durch den Deutschen Ärztetag installierte Ausschüsse.

Diese Arbeitsgebiete, so unterschiedlich sie sein mögen, haben eins gemeinsam: Sie bereiten den Beteiligten selten helle Freude. Die GOÄ ist eine ständige Baustelle, auf der Ärzteschaft und Politiker harte Kämpfe austragen. Geduld, Verhandlungsgeschick, aber auch Kampfesmut sind da gefragt. Die Akademien, die die Interessen der Allgemeinärzte und der Spezialisten vertreten und womöglich auf einen Nenner bringen sollen, verlangen nach diplomatischem Geschick und ausgleichendem Wesen. Diese Eigenschaften besitzt Renate Hess, die liebenswürdige Kämpferin. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, charakterisierte Renate Hess bei der Verabschiedung Ende Februar in Berlin denn auch so: Sie sei „hart und hartnäckig in der Sache, aber unglaulich freundlich im Umgang, sodass man die Härte nicht merkt“. Prof. Dr. med. Heyo Eckel, bis 2006 Präsident und seither Ehrenpräsident der Ärztekammer Niedersachsen, hob ihre „Kunst, Gremien zu betreuen“, hervor.

Davon hängt der Erfolg jeglicher Verbandsarbeit ab. Und Hess hatte darin Erfolg. Als junge Frau trat sie 1971 in die Geschäftsführung der Bundes­ärzte­kammer ein, als Referentin für vieles, war doch die Geschäftsführung in den frühen Jahren nicht sonderlich ausdifferenziert. Hess, damals hieß sie noch Schiffbauer, kam frisch und vertrauensvoll von der Universität. In Köln hatte sie Betriebswirtschaftslehre studiert und als Diplom-Kaufmann abgeschlossen. Schon der Titel zeigt an, dass sie eine der wenigen Frauen in einer Männerdomäne war. Auch in der Geschäftsführung der Bundes­ärzte­kammer war sie die erste Frau in verantwortlicher Position. Sie setzte sich durch, weil sie ihren Kollegen und dem damaligen Hauptgeschäftsführer, Prof. Dr. med. Josef Stockhausen, zeigte, dass sie etwas konnte. 1980 wurde Hess Dezernentin, zeitweilig waltete sie zudem als Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Bundes­ärzte­kammer.

Hess, geboren am 9. Oktober 1944, stammt aus dem Bergischen Land, und zwar dem ausgeprägt rheinischen Teil. Die Familie betrieb mehr als 150 Jahre in Wahlscheid an der Agger ein berühmtes Ausflugslokal. In der Nähe wohnt sie, wenn sie nicht in Berlin ist, noch heute. Sie, ihr Mann, Dr. Rainer Hess, den sie über den Beruf kennengelernt hat, und die Kinder haben dort ein altes Schulhaus umgebaut, das Refugium für die Zeit, wenn die Berliner Jahre mal vorbei sind.

Das Deutsche Ärzteblatt hatte in Renate Hess eine zuverlässige Autorin. Das Auf und Ab der GOÄ hat sie sachverständig, streitbar und mit langem Atem kommentiert. Danke. Norbert Jachertz
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