ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Virtuelle Endoskopie: Scharfe 3-D-Bilder von Nase und Ohr

TECHNIK

Virtuelle Endoskopie: Scharfe 3-D-Bilder von Nase und Ohr

Dtsch Arztebl 2008; 105(10): A-530 / B-476 / C-464

EB

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Die virtuelle Endoskopiesicht der Nasenhöhle sowie die orthogonalen Schnitte durch den CT-Datensatz präsentiert das Programm „Sinus- Endoscopy“ in hoher Qualität. Foto: Krüger/Kubisch/Universität Magdeburg
Die virtuelle Endoskopiesicht der Nasenhöhle sowie die orthogonalen Schnitte durch den CT-Datensatz präsentiert das Programm „Sinus- Endoscopy“ in hoher Qualität. Foto: Krüger/Kubisch/Universität Magdeburg
Informatikern der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist es gelungen, dreidimensionale virtuelle Bilder des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs von Patienten in bisher unerreichter Bildgenauigkeit und Geschwindigkeit darzustellen (http://isgwww.cs.uni-magdeburg.de). Auf der Basis individueller Patientendaten, die vorher aus computertomografischen Untersuchungen gewonnen wurden, haben die beiden Computervisualisten Arno Krüger und Christoph Kubisch scharfe, dreidimensionale Computerbilder des fein strukturierten und weit verzweigten Bereichs von Nase und Mittelohr entwickelt, die ohne weitere Vorbereitung am Bildschirm virtuell durchflogen werden können. Krankhafte Veränderungen können so exakt lokalisiert und vor einer Operation dem Chirurgen elektronisch zur Verfügung gestellt werden. In einer klinischen Studie werden zurzeit die Einsatzmöglichkeiten des Systems evaluiert.

Das System „SinusEndoscopy“ beruht auf moderner Technologie aus dem Bereich der Computerspiele. Einerseits lässt sich dadurch ein hohes Maß an Realitätstreue der Darstellungen erreichen; andererseits werden Patienteninformationen derart schnell zu Bildern aus dem Körperinneren verarbeitet, dass selbst bei großen Datensätzen keine zeitlichen Verzögerungen auftreten. Bisher müssen zur virtuellen Darstellung des Körperinneren entweder Videos vorberechnet werden – was lange dauert – oder es werden Modelle aus sogenannten Dreiecksnetzen verwendet. Die Methode funktioniert bei der Nase jedoch nur eingeschränkt, da deren Strukturen besonders fein verzweigt sind und somit sehr komplexe Modelle erforderlich sind.

In Zusammenarbeit mit Ärzten der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO) des Universitätsklinikums Leipzig wurde das System auf die Besonderheiten von endoskopischen Operationen an den Nasennebenhöhlen und im Mittelohr zugeschnitten. Die Ärzte sind von der hohen Qualität der visuellen Darstellung begeistert und sehen darin zusätzlich eine Möglichkeit, Patienten besser und anschaulicher über Operationen und Behandlungsziele aufzuklären. Derzeit wird an einer kommerziellen Verwertung gearbeitet. EB

Informationen: Arno Krüger, Fakultät für Informatik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, E-Mail: krueger@isg.cs.uni-magdeburg.de
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