ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Portables Dialysegerät: Technisch noch unausgereift

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Portables Dialysegerät: Technisch noch unausgereift

Dtsch Arztebl 2008; 105(10): A-531 / B-477 / C-465

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Die herkömmliche Dialysetechnik ist nicht so einfach zu ersetzen. Foto: Perter Wirtz
Die herkömmliche Dialysetechnik ist nicht so einfach zu ersetzen. Foto: Perter Wirtz
In Deutschland sind mehr als 87 000 Menschen auf eine Nierenersatztherapie (Dialyse oder Transplantation) angewiesen. Die Zahl der dialysepflichtigen Patienten steigt. Die Gesellschaft für Nephrologie (GfN) in Weimar (www.nierengesellschaft.de) hat jetzt über eine Studie mit einem mobilen Hämodialysegerät berichtet, an der acht Patienten teilnahmen (Lancet 2007; 370: 2005–10). Das System bietet die Möglichkeit der täglichen Dialyse bei freier Zeiteinteilung, und ohne an einen festen Ort gebunden zu sein. Dadurch soll sich die Lebensqualität verbessern. Das in den USA entwickelte Gerät hängt an einem Gürtel, wiegt fünf Kilogramm und ist batteriebetrieben. Die gesamte Dialysetechnik steckt in einem Kästchen: Dialysekammer, Pumpen, Schläuche, durch die das Blut ins Gerät und wieder in den Körper fließt. Sicherungssysteme alarmieren bei technischen Problemen wie Luftblasen, Blutgerinnsel, Unterdruck oder Undichtigkeit. Wie bei den großen Dialysemaschinen wird dem Blut über eine Vorrichtung Heparin zugesetzt, damit es nicht gerinnt und die Maschine verstopft.

Die tragbare künstliche Niere kommt bei der Wiederaufarbeitung der Dialysierflüssigkeit mit einem minimalen Flüssigkeitsvolumen aus, das im Gerät immer wieder regeneriert wird. Das Verfahren sei jedoch zehnmal weniger effektiv als die herkömmliche Dialyse, da das portable Dialysegerät nur einen fünfmal geringeren Blutfluss und einen zehnmal geringeren Dialysatfluss erbringen könne, schreibt die GfN. Pro Zeiteinheit werden demzufolge deutlich weniger harnpflichtige Substanzen aus dem Blut entfernt. Der Wirkungsgrad kann zwar durch eine längere Behandlungszeit gesteigert werden – die Testpersonen trugen das Gerät bis zu acht Stunden täglich. Bei einem Gewicht von fünf Kilogramm stellt dies allerdings eine körperliche Belastung dar, der vor allem viele ältere Patienten nicht gewachsen sein dürften. Bei jüngeren Patienten mit aktivem Berufs- und Freizeitverhalten stellen das Gewicht des Geräts und die für andere deutlich sichtbare „Behinderung“ ebenfalls eine Einschränkung dar. Als positiv vermerkt die GfN, dass die Behandlung gut vertragen wurde und sämtliche Kontrollwerte (Herzfrequenz, Blutdruck, Säure-Basen- und Mineral-Gehalt des Bluts) stabil waren. Während der Dialyse konnten die Patienten auch trinken, die Flüssigkeitszufuhr während des Flüssigkeitsentzugs führte bei der Gerätesoftware nicht zu Problemen. Nachteile: Für den täglichen Gebrauch noch viel zu häufig führten technische Störungen und Alarme zum Abbruch der Prozedur. Ursachen waren zum Beispiel Kohlendioxid-Blasen, die beim Abbau von Harnstoff entstehen, Blutgerinnselbildung, weil zu wenig Heparin ins Blut gelangt war, oder eine herausgerutschte Nadel mit unterbrochenem Blutfluss.

Das vorgestellte Gerät sei ein erster Schritt in Richtung tragbare künstliche Niere, so das Fazit der GfN. Weitere, größer angelegte Untersuchungen müssten zeigen, welches Potenzial das Gerät habe, um Patienten im Alltag ausgedehnte und häufigere Dialysen zu ermöglichen. Vermutlich werde das portable Hämodialysegerät die herkömmlichen Dialyseformen nicht ersetzen können, sondern nur als Alternative beziehungsweise Ausnahme für ausgewählte Patienten infrage kommen. EB
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