ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Börsebius: Schall und Rauch

GELDANLAGE

Börsebius: Schall und Rauch

Dtsch Arztebl 2008; 105(10): A-534 / B-478 / C-466

Rombach, Reinhold

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LNSLNS In einer der letzten Ausgaben „Schwindsucht im Depot“ (Deutsches Ärzteblatt, Heft 7/2008) habe ich mich unter anderem über Bonuszertifikate ausgelassen, die beim Durchbrechen unterer Barrieren wertlos werden könnten. Einige Leser machten mich darauf aufmerksam, dass da etwas nicht stimme. Das ist wohl wahr, „echte“ Bonuszertifikate verlieren, wenn es dumm läuft, bestenfalls ihren Bonus. Richtig wertlos werden sogenannte Knock-out-Zertifikate beim Überschreiten vorher definierter Kursschwellen. Aber: Es gibt einige Papiere, die sowohl eine Bonusvariante als auch einen Knock-out beinhalten. Trotzdem, Entschuldigung und Respekt dem wachen Auge gegenüber.

Gleichwohl hat sich an meiner Skepsis in Bezug auf Zertifikate überhaupt nichts geändert. Trotz der wunderbaren Namensgebung einzelner Zertifikate ändert sich am generellen Problem dieser Papiere herzlich wenig: Ich kaufe nur buntes bedrucktes Papier. Ein Zertifikat ist nicht anderes als ein Versprechen, eine Schuldverschreibung, eine Wette auf das Eintreten oder Nichteintreten eines Ereignisses.

Das Grummeln im Bauch hat durchaus nicht nur einen instinktiven Charakter, die reale Möglichkeit von Totalverlusten ist keineswegs in Bausch und Bogen von der Hand zu weisen. Wer sich gegenwärtig macht, wie leicht die eine oder andere Bank in den vergangenen Wochen und Monaten hätte pleitegehen können und wie wenig diese Gefahr auf absehbare Zeit gebannt ist, mag dieses dunkle Gefühl mit mir teilen.

Es kann gar nicht klar genug formuliert werden, dass Zertifikate im Konkursfall des Emittenten keinen Pfifferling mehr wert sind, wie die auch immer heißen mögen, ob Bonus-, Knock-out-, Garantiepapier, alles egal. Dieser latenten Gefahr unterliegen Investmentfonds nicht, da Fonds ein „Sondervermögen“ bilden, welches im Konkursfall eines Geldhauses unantastbar ist. Sie wissen, dass ich auch nicht unbedingt ein großer Freund von Fonds bin (wegen der Kosten), aber das Sondervermögen von Investmentanteilen bildet im Vergleich zu den nicht gesicherten Zertifikaten einen wirklich unschätzbaren Vorteil.

Zu allem Unglück scheint es bei Zertifikaten in der Preisgestaltung drunter und drüber zu gehen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) prangerte jüngst in ihrem „Schwarzbuch Börse 2007“ die Preisgestaltung der Emissionshäuser als „zu intransparent“ an. SdK-Vorstand Markus Straub bemängelte, dass der Preis für Zertifikate nicht über Angebot und Nachfrage zustände komme, sondern vom Emissionshaus willkürlich festgelegt würde.

Da Vergleichsmöglichkeiten fehlen, kann der einzelne Anleger die versteckten Aufschläge gar nicht beurteilen, bewerten schon gar nicht. Teilweise gibt es bei von den Banken herausgegebenen Zertifikaten in einem weitgehend unregulierten Markt Preisspannen von 30 bis 100 Prozent gegenüber den „fairen“ Konditionen an den Terminbörsen. Also viel Schall und Rauch für wenig Wert. Aber solange die Banken Zertifikate weiter bestens unter die Leute bringen, wird sich an diesem beklagenswerten Missstand nichts ändern.
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