ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2008Intraoperative Prozesszeiten im prospektiven multizentrischen Vergleich: Eingeschränkte Aussagekraft
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LNSLNS Der Titel der Arbeit lässt vermuten, dass eine Ermittlung und ein Vergleich von Prozess-Kennzahlen im OP-Bereich der Optimierung der entsprechenden Abläufe dienen. Leider war dies aber offenbar nicht Zweck der Untersuchung. Denn es sollte lediglich die These belegt werden, erhöhte Weiterbildungsaktivität führe in größeren Kliniken im OP zu längeren Prozesszeiten und werde im DRG-System nicht ausreichend vergütet. Diese These klingt plausibel und wäre es Wert, eine Untermauerung zu erfahren. Die Messungen ergaben, dass in den Universitätskliniken die Zeiten für anästhesiologischen Vorlauf, perioperatives Intervall und anästhesiologischen Nachlauf „lokal signifikant“ verlängert waren. Bemerkenswert war dabei aus Prozesssicht die Beobachtung, dass die Häuser mit guten Ergebnissen, das heißt kurzen Prozesszeiten, eher geringe Varianzen und somit stabile Abläufe aufwiesen.

Das methodische Vorgehen der Untersuchung war gründlich durchdacht und strukturiert, dennoch möchte ich zwei kritische Anmerkungen geben:
Erstens war am Ende jedes teilnehmende Krankenhaus mit der nicht gerade üppigen Anzahl von sieben bis zwölf Datensätzen vertreten. Das lässt nur eine eingeschränkte Aussagekraft zu.

Und zweitens bleibt für mich die Schlussfolgerung problematisch.

In der dargestellten schrittweisen Prozessgliederung findet sich kein Hinweis auf die tatsächliche Durchführung von Weiterbildung; diese wird lediglich unterstellt. Die einzelnen Prozesse im OP-Bereich von Universitätskliniken werden nicht näher auf ihre Zweckmäßigkeit hin betrachtet – könnte es nicht auch andere Ursachen für längere Prozesszeiten geben als die Weiterbildungsnotwendigkeit? Oder etwas zugespitzt: Wie will man ausschließen, dass Operationen in Universitätskliniken länger dauern und die Weiterbildung trotzdem nicht funktioniert? Um hier Näheres zu erfahren, müssen die Prozesse mit den Beteiligten bis in die Detailebene untersucht und hinterfragt werden. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0188a

Reinhard Spirkl
Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH
Qualitäts- und Prozessmanagement
Oranienburger Straße 285
13437 Berlin

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