ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2008ADHS: Wissenschaftsmythologie
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LNSLNS In der Meldung werden Befunde bildgebender Verfahren zur Hirnentwicklung von Kindern mit ADHS referiert und denen der Normalpopulation gegenübergestellt. Dabei heißt es, die in einer Studie gefundenen Unterschiede in der Hirnentwicklung könnten die „frustrierende Mischung aus fehlender Konzentration und Ansprechbarkeit bei Hyperaktivität erklären“. ERKLÄREN aber können sie nichts. Wenn man die Muskelmasse von Menschen untersuchen und dann bei Gewichthebern ausgeprägte Armmuskeln finden würde, würde niemand schreiben, diese Muskelmasse würde die Kraft der Gewichtheber ERKLÄREN. Werden hingegen Befunde der Hirnforschung referiert, trifft man immer wieder auf diese Form mythologischen Denkens: eine Hirnmythologie. Auch das Gehirn formt sich entsprechend seiner Nutzung. Und die hat etwas mit dem Leben zu tun. ADHS unabhängig vom Leben eines Kindes aus dem Gehirn erklären zu wollen, ist moderne Wissenschaftsmythologie, die leider so verbreitet ist, dass viele Autoren sie nicht bemerken.
Priv.-Doz. Dr. Ulfried Geuter, Psychologischer Psychotherapeut, Otto-von-Wollank-Straße 57, 14089 Berlin
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