ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2008Depressionen: Herzinfarktrisiko steigt

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Depressionen: Herzinfarktrisiko steigt

PP 7, Ausgabe März 2008, Seite 129

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LNSLNS Depressive Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung haben ein rund doppelt so hohes Risiko, in den folgenden zwei Jahren nach einem Herzinfarkt oder einer Bypassoperation zu sterben wie psychisch unbelastete Patienten. Gemäß neueren Modellen zu Wechselwirkungen zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen wird heute nicht mehr von einem kausalen Zusammenhang, sondern von gemeinsamen Risikofaktoren ausgegangen. So kann zum Beispiel ein Herzinfarkt eine lange und vielschichtige Genese haben. Am Anfang setzen möglicherweise genetische Veranlagung und Persönlichkeitsmerkmale, wie ausgeprägtes Leistungsdenken und Verleugnung psychischer Belastungen, dem Herzen und den Blutgefäßen zu. Hinzu kommt vielleicht ein Lebensstil mit Zigarettenkonsum und wenig Bewegung, der zu neurobiologischen Effekten führt, die das Risiko erhöhen, an einer Depression zu erkranken, einen Herzinfarkt zu erleiden oder beide Krankheiten zusammen zu entwickeln.

Da ein gemeinsames Auftreten von Depression und Herzinfarkt die Heilungs- und Überlebenschancen deutlich mindert, sollte bei einem Herzinfarkt immer diagnostisch geklärt werden, ob auch eine Depression oder eine andere psychische Störung vorliegt, und es sollte eine entsprechende psychotherapeutische Behandlung begonnen werden. Ebenso sollte bei einer Depression durch Messen des Blutdrucks und des Blutzuckers geprüft werden, ob ein Herzinfarktrisiko vorhanden ist. ms

Barth J, Härter M, Paul J, Bengel J: Behandlung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit und komorbider Depression in der Rehabilitation. Psychother Psych Med 2005; 55: 416–24.
Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel, Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Engelbergerstraße 41, 79085 Freiburg, E-Mail: bengel @psychologie.uni-freiburg.de
Prof. Dr. Dietmar Schulte, Dr. Christoph Koban, Fakultät für Psychologie der RUB, Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum, E-Mail: koban@kli.psy.rub.de
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