ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2008Suchtstoffkontrollrat: Opiatproduktion in Afghanistan steigt weiter

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Suchtstoffkontrollrat: Opiatproduktion in Afghanistan steigt weiter

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): A-548

Bühring, Petra

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Foto: picture-alliance
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Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) fordert die Regierungen weltweit auf, die Gesetze bei der Verfolgung von Drogenstraftätern einheitlich anzuwenden. „Die Kleinen werden gehängt und die Großen laufen gelassen“, fasste Dr. Carola Langner vom INCB zusammen. Das Kontrollorgan der Vereinten Nationen kritisierte bei der Vorstellung des Jahresberichts 2007 zudem, dass in vielen Ländern der Drogenkonsum von Prominenten verharmlost werde. Dies habe gerade für Jugendliche fatale Folgen, denn prominente Menschen hätten eine Vorbildfunktion.

Weiter fordert der INCB, Alternativen zu Gefängnisstrafen für Drogenkonsumenten zu etablieren, die eine Therapie und Rehabilitation ermöglichen. Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, wies für Deutschland auf das erfolgreiche Hilfsangebot FreD (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) hin, das inzwischen an 150 Standorten etabliert und ein „Exportschlager“ geworden sei.

Als besonders problematisch bezeichnet der Rat die Situation in Afghanistan: Der illegale Schlafmohnanbau stieg 2007 um 17 Prozent. Das Land liefert 93 Prozent der Opiate für den illegalen Markt weltweit. Sorge bereitet, dass Essigsäureanhydrid, eine Chemikalie zur Herstellung von Heroin, nach wie vor „auf unbekannten Wegen“ ins Land gelangt.

In Peru und in Bolivien stieg die Fläche für den illegalen Anbau von Kokasträuchern. Südamerika konnte damit jährlich bis zu 1 000 Tonnen Kokain produzieren – medizinisch werden nur 400 Kilogramm benötigt. Der stärkste Kokainmissbrauch in Europa wird aus Spanien, Großbritannien und Italien gemeldet. Cannabis bleibt indes in Europa die am häufigsten missbrauchte Droge – in Deutschland hat der illegale Anbau von Cannabispflanzen in professionell ausgerüsteten Glashäusern seit 2002 zugenommen. PB
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