ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2008Der Bergdoktor – immer etwas besser als die Kollegen

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Der Bergdoktor – immer etwas besser als die Kollegen

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): A-582 / B-516 / C-503

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Aus der Versenkung wieder auferstanden: Das ZDF zeigt acht neue Folgen von „dem Bergdoktor“. Donnerstags geht es in die Alpen.

Foto: ZDF und Hans Seidenabel
Foto: ZDF und Hans Seidenabel
Ein Mann mit Ambitionen: Dr. Martin Gruber (Hans Sigl) gibt seine Karriere in New York als Chirurg auf, um in seinem bayerischen Heimatdorf wieder als Allgemeinarzt zu arbeiten. Das ZDF zeigt derzeit eine Neuauflage der Serie „Der Bergdoktor“, die bereits Anfang der 90er-Jahre erfolgreich auf SAT1 lief.

Eigentlich wollte der junge Mann nur kurz seine Mutter besuchen, entscheidet sich dann aber – wie das Leben eben so spielt – kurzerhand, in seinem Heimatdorf Ellmau zu bleiben. Und anscheinend braucht das Alpenland den Doktor auch, will doch der bisherige, gutmütige Arzt Dr. Roman Melchinger (Siegfried Rauch) aus Altersgründen seine Praxis aufgeben – mit seiner Gelassenheit und seinem Humor steht er dem neuen Bergdoktor aber stets zur Seite.

Dr. Gruber ist bodenständig, hat alles im Griff und ist – wie viele andere Fernsehkollegen auch – immer ein bisschen besser als andere Ärzte: ein bisschen intelligenter, beliebter und charmanter und ein bisschen kompetenter – auch fachübergreifend. In der Folge „Querelen und Quarantäne“ erkennt er beispielsweise im entscheidenden Moment, dass die erst so harmlos aussehende Grippe tatsächlich Typhus ist. Den Hinweis, dass der Patient vorher in Afrika an einer Fotoreportage gearbeitet hat, hat Dr. Gruber sofort verstanden – im Gegensatz zu dem Kollegen aus der Klinik. Er handelt dann schon, bevor der Befund aus dem Labor da ist. Ein Arzt, der zu seinen Entscheidungen steht. So konnte er das ganze Dorf vor einer Ansteckung bewahren. Oder nein, doch nicht, die Krankheit war gar nicht mehr ansteckend. Aber seine Freunde halten natürlich zu ihm, bevor das Dorf sich auf ihn stürzt, da das Johannesfest seinetwegen abgesagt wurde.

Im Dauerclinch mit seinem Kollegen ist er so besserwisserisch, dass es kaum zu ertragen ist, und dabei so nett, dass man nicht hinsehen mag. Da gibt es kaum ein kollegiales Zusammenarbeiten. Neben ihm muss der ebenfalls ehrgeizige Arzt aus dem Krankenhaus etwas böse wirken und die Behandlung behindern, damit Dr. Gruber noch mehr wie ein strahlender Held wirkt. Der neue Bergdoktor geht eben seinen eigenen Weg. Er weiß es ja besser. Da darf es auch ruhig einmal etwas unkonventionell sein: Ein wichtiges Telefonat mit dem modernen Handy wird im Patientenzimmer der Klinik geführt – auch gegen den Willen des zuständigen Arztes. Schließlich heißt es schon in der Vorankündigung: „Ein moderner Held auf der Suche nach Identität zwischen der großen weiten Welt und seiner ländlichen Heimat.“

Die Serie arbeitet mit vielen Klischees, hat aber auch „moderne“ Elemente: Seine Nichte Lilli, die Tochter seines Bruder, ist eigentlich seine Tochter und nun lebt das Mädchen mit beiden Vätern zusammen.

Das Beste an der Arbeit des Bergdoktors ist aber, dass er nur ganz selten in seine Praxis muss. Daher sieht man ihn auch eher selten im weißen Kittel. Meistens werden die Patienten – selbst wenn sie vorher bei ihm in der Praxis waren – auf dem Berg schwer krank. Dann muss für die Dramatik stets ein Hubschrauber gerufen werden.

Der Bergdoktor behält bei diesen Einsätzen selbstverständlich einen kühlen Kopf. Es wird damit ein Held geschaffen, der dem klassischen Arztbild aus den alten Heimatfilmen entspricht. Und so ein Arzt wird dann natürlich auch von den Frauen umschwärmt.
Sunna Gieseke
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