ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2008Alice Ricciardi, geb. von Platen-Hallermund † – Spät erst fand sie Anerkennung in Deutschland

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Alice Ricciardi, geb. von Platen-Hallermund † – Spät erst fand sie Anerkennung in Deutschland

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): A-583 / B-517 / C-505

Gerst, Thomas

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Alice Ricciardi Foto: privat
Alice Ricciardi Foto: privat
Von den NS-Verbrechen wollten die Deutschen nach 1945 bald nichts mehr wissen – schlechte Ausgangslage für diejenigen, die aufklären wollten. Alice von Platen-Hallermund gehörte der Kommission an, die für die Ärztekammern seit Dezember 1946 den Nürnberger Ärzteprozess beobachtete. Alexander Mitscherlich, dem Leiter der Kommission, ging es vor allem darum, die Medizinverbrechen an Kriegsgefangenen und Juden zu dokumentieren. Von Platen-Hallermund wollte die Unmenschlichkeit der NS-Medizin am Beispiel der Morde an Psychiatrie-Patienten darstellen. Ihr Buch „Die Tötung Geisteskranker in Deutschland“ erschien 1948. Obwohl es das erste Buch zu diesem Thema war, wurde es in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Man zog es vor, diese Dinge zu verdrängen.

Ein Jahr später siedelte von Platen-Hallermund (geboren am 28. April 1910) nach London über, wo sie bereits Kindheitsjahre verbracht hatte. Dort arbeitete sie an psychiatrischen Krankenhäusern und schloss ihre psychoanalytische Ausbildung ab. Ihren Mann, Augusto Ricciardi, begleitete sie nach der Heirat 1956 nach Belgien und Libyen. Seit 1967 praktizierte Alice Ricciardi als Psychoanalytikerin in Italien. In den 90er-Jahren wurde ihr Buch in Deutschland wiederentdeckt. 1996 übernahm sie die Präsidentschaft beim Nürnberger IPPNW-Kongress „Medizin und Gewissen“. Jetzt war das Interesse da, von ihr mehr über die damaligen Geschehnisse zu erfahren. Am 23. Februar ist Alice Ricciardi, geb. von Platen-Hallermund, in Cortona/Italien gestorben. Thomas Gerst
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